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Stand: 06.04.2007
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Salonspeisewagen Sdr R 6ü-40

Wagennummer: 10 245 Bln
Der hier beschriebene Wagen kann auf eine recht interessante Vorgeschichte zurückblicken, denn eigentlich sollte er nie zum Fahrzeugpark der Reichsregierung zählen, vielmehr war er als ein Geschenk Hitlers an Mussolini gedacht. Und auch wenn der genaue Zeitpunkt unbekannt ist, so ist er doch später noch in den hiesigen Fahrzeugbestand übernommen worden, aber dazu mehr im Abschnitt zum Einsatz des 10 245 Bln.
Im Juli 1940 wird von einem Vertreter der Italienischen Staatsbahn die Bitte an die Deutsche Reichsbahn herangetragen, den Zeichnungssatz für die Salon-Speisewagen 10 243 Bln und 10 244 Bln für einen Nachbau überlassen zu bekommen, da Mussolini den Wunsch geäußert habe, ebenfalls einen solchen Speisewagen besitzen zu wollen. Als Hitler hiervon erfährt, ordnet er den Bau eines Speisewagens als Geschenk für Mussolini an und so wird das RZA Berlin Ende August 1940 vom RVM damit beauftragt, einen neuen Speisewagen "für Sonderzwecke" zu beschaffen. Als Muster sollte dabei der 10 242 Bln dienen, um aber auch im "Zwischenbereich" eine gute Ausleuchtung zu erreichen (gemeint ist damit vermutlich der Platz, an dem die beiden Speiseräume aneinandergrenzen), war die Beleuchtung allerdings so wie im Schwesterwagen 10 244 Bln auszuführen. Es verwundert allerdings ein wenig, daß man nicht gleich den 10 244 Bln als Muster bestimmte, da dieser ja bis auf einige kleine Details komplett dem 10 242 Bln entsprach. Mitte September 1940 erfolgte schließlich die Bestellung des Wagens bei der Waggonfabrik Wegmann & Co. zu Lasten des Fahrzeugprogramms 1940.
Äußerlich unterschied sich der Wagen trotz der "Vorlage" 10 242 Bln in mehreren Punkten von den zuvor gelieferten Fahrzeugen gleichen Verwendungszwecks, am auffälligsten dürften dabei vor allem die dreiachsigen Drehgestelle gewesen sein, daneben springen aber auch Sonnenschutzdach, Kuckuckslüfter und die geänderte Klappenanordnung in der Schürze (in den Skizzen nur bedingt nachvollziehbar) ins Auge. Die dreiachsigen Drehgestelle, im übrigen in ihrer Bauform identisch mit denen des Badewagens und der beiden Nachrichtenwagen, waren aufgrund der Ausrüstung des Wagens mit einer Kältemaschine sowie einer elektrischen Küche und dem sich daraus ergebenden Mehrgewicht notwendig geworden (Eigengewicht: 71,7 t, teilweise werden auch 71,5 t genannt).
Ein Teil des Mehrgewichts ging freilich auch auf das Konto der Drehgestelle selbst, fielen sie doch deutlich schwerer aus als die zweiachsigen Versionen. Auf der anderen Seite führte die Verwendung der dreiachsigen Drehgestelle allerdings auch zu einem verbesserten Laufverhalten, was natürlich bei einem Speisewagen keine ganz unbedeutende Tatsache ist. Ein bemerkenswertes Detail sind im übrigen die Glaslamellenlüfter der jeweils äußeren Fenster beider Speiseräume, denn während diese Zusatzlüfter 1937/38 auch bei den Mitropa-Speisewagen noch üblich waren, besitzen die von der Mitropa ab Ende 1938 beschafften Wagen bereits ein verändertes Belüftungskonzept (von der WUMAG entwickelt), welches nunmehr ohne die Glaslamellen oberhalb der Fenster auskam.
Beim Grundriß ergaben sich naturgemäß nur marginale Abweichungen zu den vier Sal R 4ü-37, wobei das vor allem auf die Credé-Bauform zutrifft, von der sich der 10 245 Bln ausschließlich in der Breite des Luft- und Kabelkanals zwischen großem Speiseraum und Büffet unterscheidet. Und auch beim Mobiliar sind deutliche Parallelen zu seinen Vorgängern auszumachen, so war es in gleicher Weise möglich, verschiedene Aufstellungen der Tische und Stühle zu realisieren (siehe Skizze), wobei im Betrieb wohl die Mitropa-Anordnung am häufigsten anzutreffen war.
Zur Inneneinrichtung ist bislang nur wenig bekannt, eine der in diesem Zusammenhang raren Aussagen stammt aus dem Buch "Schlaf- und Speisewagen der Eisenbahn" von Walther Brandt, in dem davon gesprochen wird, daß die Sitzpolster mit rotem Leder bezogen waren. Auch wird an dieser Stelle erwähnt, daß für den bei Mitropa-Anordnung entstehenden 'Mittelgang' ein Läufer vorhanden war, der über den Teppich gelegt werden konnte. Die Tatsache, daß einerseits der 10 242 Bln als Vorlage diente und andererseits rote Sitzbezüge vorhanden waren, sprechen für die Vermutung, daß der spätere 10 245 Bln im Innenraum weitgehend den beiden Schwesterwagen 10 242 Bln und 10 244 Bln entsprach.
Konstruktion und Bau des Wagens oblagen wie bereits erwähnt der Kasseler Waggonbaufabrik Wegmann & Co., die den Wagen Mitte Dezember 1940 fertigstellte.

Verwendung und Umbauten bis 1945
Für die Zeit direkt nach Ablieferung des Wagens - seinerzeit übrigens ausschließlich als "Speisewagen für den Führer" bezeichnet - liegen nur wenige Belege vor, nach verschiedenen Quellen wurde er entweder wie geplant nach Italien verbracht (dabei wird allerdings für das Abrollen der 22. Juli 1940 genannt, die Rückholung wäre demnach im September 1941 erfolgt) oder aber er blieb die gesamte Zeit über in Deutschland abgestellt. Einen verläßlichen Hinweis gibt es erst wieder im April 1941, denn am 29.04.1941 wird vom RVM verfügt, daß der Wagen nunmehr für den Einsatz in Hitlers Sonderzug hergerichtet werden soll. In diesem Zusammenhang mußten folgende Arbeiten am Wagen ausgeführt werden: Entfernung aller äußeren (italienischen) Anschriften, Entfernung der an dem Wagen angebrachten Hoheitszeichen (vermutlich: Liktorenbündel) sowie Anbringen der bei den Dienstwagen der Reichsregierung üblichen Anschriften und Hoheitszeichen.
Anschließend sollte der Wagen gegen den Salonspeisewagen in Hitlers Sonderzug "Amerika" ausgetauscht werden, dies scheint jedoch nicht sofort erfolgt zu sein, da in einer Nachricht vom 21.06.1941 (dem Tag vor dem Überfall auf die Sowjetunion) noch die Rede davon ist, daß der mittlerweile als 10 245 Bln bezeichnete Wagen im Raw Potsdam abgestellt ist. Allerdings dürfte die Einstellung in Hitlers Zug kurz darauf erfolgt sein, denn im Oktober gleichen Jahres befand er sich bereits im erwähnten Zugverband.
Nach dieser Zeit läßt sich eindeutig feststellen, daß der 10 245 Bln zu den Stammwagen des Sonderzugs Hitlers zählte, so z. B. auch im Juni 1942. Ein nicht ganz unwichtiger Grund dürfte dabei das Vorhandensein insbesondere des Sonnendachs und der Kältemaschine aber auch der elektrischen Küche gewesen sein. Letztere war jedoch gegen Ende 1944 zeitweise wegen verschärfter Regeln bei der Nutzung von Treibstoff (für die Maschinengepäckwagen) außer Betrieb. Bei Kriegsende befand sich der Wagen immer noch im Zug "Amerika" und wurde bald darauf von der US Army in Österreich beschlagnahmt. Die Rückgabe an die Deutsche Bundesbahn erfolgt schließlich am 10.12.1951.

Weiterführende Links
 Übersichtsskizze für den Zustand nach Herrichtung für die Reichsregierungszüge
 Die Inneneinrichtung der Vorgänger: 10 241 Bln bis 10 244 Bln
 Einsätze bei den Alliierten Streitkräften
 Der Wagen 10 245 bei der Deutschen Bundesbahn
 Quellenangaben
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Technische Daten
Herstellerwerk Wegmann & Co., Kassel
Baujahr 1940
Beschafft auf Vertrag 03.966 / 59.028
Eigengewicht 71,7 t
Länge über Puffer 23.500 mm
Länge des Wagenkastens (mit Schürzen) 23.200 mm
Länge des Wagenkastens (ohne Schürzen) 22.200 mm
Drehzapfenabstand 16.180 mm
Größte Breite des Wagenkastens 2.880 mm
Wagenhöhe über SO ohne/mit Sonnendach 3.980/4.045 mm
Fußbodenhöhe über Schienenoberkante 1.260 mm
Drehgestellbauart Sonderbauart Görlitz, 3-achsig
Drehgestellachsstand 3.600 mm
Generatorbauart Tatzlagergenerator ZOG 181
Bremsbauart Kksbr, Hnbr (?)
Heizungsbauart Whzde, Ofen
Beleuchtung Elektrisch
Schlußsignalhalter In Dachnischen versetzt
Dachlüfter Kuckuckslüfter 9 Stück
Abteile Einstiegsräume 2x
Ofenraum 1x
Speiseraum, klein (Raucher) 1x
Speiseraum, groß (Nichtraucher) 1x
Büffet 1x
Anrichte 1x
Küche 1x
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