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Stand: 06.04.2007
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Salongästeschlafwagen Sal L 4ü-38

Wagennummern: 10 233 Bln, 10 234 Bln
Den beiden im Jahr 1937 gelieferten Sal L 4ü-37 folgten ein Jahr später zwei weitere Gästeschlafwagen unter der Bezeichnung Sal L 4ü-38. Im Gegensatz zu den zuvor gebauten Fahrzeugen wurde die Anzahl der Schlafabteile von zehn auf acht reduziert, so daß bei gleichzeitiger Verlängerung des Wagenkastens um 800mm ein Frühstücksraum eingerichtet werden konnte. Dieser sich über die gesamte Wagenbreite erstreckende Raum, wurde entgegen erster Planungen (Unterbringung in Wagenmitte) ähnlich den Aufenthalts- räumen der Salonwagen an einem Wagenende platziert und zum Einstiegsbereich hin mit einer faltbaren Zwischenwand abgetrennt. Aus diesem Grund wurde die an diesem Wagenende vorgesehene Toilette zwischen Frühstücksraum und ersten Schlafraum angeordnet.
Die Konstruktion der Bauart oblag wiederum den Vereinigten Westdeutschen Waggonfabriken (Westwaggon / VWW), Werk Köln-Deutz, die bereits die anderen Salon-Schlafwagen konstruktiv durchgebildet hatten. Durch Westwaggon wurde allerdings nur der erste Wagen - 10 233 Bln - geliefert, das zweite Fahrzeug 10 234 Bln entstand hingegen bei Wegmann & Co. in Kassel. Beide wurden noch im Jahr 1938 an die Deutsche Reichsbahn übergeben.

Verwendung und Umbauten bis 1945
Wie die zwei Wagen der Bauart 1937 wurden auch die neuen Gästeschlafwagen nur einer Person bzw. dessen Zügen zugeteilt. So waren beide Fahrzeuge hauptsächlich für Hermann Göring unterwegs, anfangs offenbar zusammen im Verband "Einheit I", später mitunter auch getrennt in zwei der zeitweilig bis zu fünf Züge Görings bzw. der Luftwaffenführung.
Der 10 233 Bln avancierte dabei anscheinend zum Stammwagen des Göring'schen Hauptzugs "Asien" (bis 1939 "Einheit I" genannt), während der 10 234 Bln zumindest bis Anfang 1942 teilweise in den für die Luftwaffenleitung vorgesehenen zweiten Hauptzug "Robinson" eingestellt war bzw. zeitweise als Reservewagen für den 10 233 Bln diente. Denkbar sind daneben auch vereinzelte Einsätze in den Vorzügen zu "Asien" und "Robinson".
Im März 1941 kam der Wunsch auf, beide Wagen für den Büroeinsatz ertüchtigen zu lassen, was vom RVM auch im darauffolgenden Monat genehmigt wurde. Die Entwürfe sahen in den ungeraden Abteilen 1, 3, 5 und 7 die Entfernung des Bettes und dafür den Einbau je eines Schreibtisches sowie je eines Kleider- und Aktenschranks vor, die Reduzierung der Schlafmöglichkeiten wurde dabei offenbar bewußt in Kauf genommen. Des weiteren war für den Frühstücksraum ein großer Tisch ähnlich denen der eigentlichen Salonwagen vorgesehen. Die Anfertigung der benötigten Möbelstücke wurde dem Raw Potsdam übertragen, welches dann auch den Umbau vorzunehmen hatte (zuerst am 10 233 Bln und dann im Wechsel beim 10 234 Bln). Ein Schreiben zum vorgesehenen Umbau des 10 231 Bln von Ende Mai 1941 läßt den Schluß zu, daß die genannten Änderungen dann zumindest am 10 233 Bln auch wirklich vorgenommen worden sind. Für den 10 234 Bln fehlt hierfür bislang leider jeglicher Beleg, auch lassen vorliegende Angaben aus dem Jahr 1944 am Ende beide Möglichkeiten zu.
Eine Zeichnung des (zu diesem Zeitpunkt natürlich schon ehemaligen) 10 233 Bln nach Übernahme durch die ÖBB aus dem Jahr 1955 zeigt im übrigen die ursprüngliche Inneneinrichtung jedoch mit dem oben erwähnten großen Tisch (was wiederum für eine Durchführung der beschriebenen Änderungsarbeiten spricht). Allerdings war der Wagen zu diesem Zeitpunkt mit hoher Wahrscheinlichkeit bereits mindestens ein weiteres Mal umgebaut worden - für diese Vermutung spricht zumindest der mittlerweile fehlende Radioschrank.
Bei Kriegsende befanden sich beide Wagen ohne nennenswerte Schäden im US-amerikanischen Sektor, doch während der 10 233 Bln anschließend von der US Army beschlagnahmt wurde, entging der 10 234 Bln vermutlich der Requirierung und gelangte somit direkt in den Betriebsbestand der DR-West bzw. DB. Mit Inkrafttreten des österreichischen Staatsvertrags im Jahr 1955 wurde dann auch der 10 233 an die ÖBB zurückgegeben.

Weiterführende Links
 Die Inneneinrichtung der Wagen (mit weiteren Bildern)
 Übersichtsskizzen für Zustand bei Lieferung und nach Umbau 1941
 Einsätze bei den Alliierten Streitkräften
 Der Wagen 10 233 bei den Österreichischen Bundesbahnen
 Der Wagen 10 234 bei der Deutschen Bundesbahn
 Zur Übersicht der heute noch vorhandenen Neubausalonwagen
 Quellenangaben
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Technische Daten
Herstellerwerk 10 233 Bln Westwaggon (VWW), Köln-Deutz
10 234 Bln Wegmann & Co., Kassel
Baujahr 1938
Beschafft auf Vertrag 03.966 / 59.013
Durchschnittliches Eigengewicht 61,4 t
Länge über Puffer 24.300 mm
Länge des Wagenkastens (mit Schürzen) 24.000 mm
Länge des Wagenkastens (ohne Schürzen) 23.000 mm
Drehzapfenabstand 16.960 mm
Größte Breite des Wagenkastens 2.854 mm
Wagenhöhe über Schienenoberkante 3.980 mm
Fußbodenhöhe über Schienenoberkante 1.260 mm
Drehgestellbauart Görlitz III schwer 4.Federung
Drehgestellachsstand 3.600 mm
Generatorbauart Tatzlagergenerator ZOG 181
Bremsbauart Kksbr, Hnbr
Heizungsbauart Whzde, Ofen
Beleuchtung Elektrisch
Schlußsignalhalter Aufgesetzt
Dachlüfter Doppelte Wendlerlüfter 11 Stück
Abteile Vorsalon 1x
Frühstücksraum 1x
Mittelabort 1x
Abteile (einbettig) 8x
Wagenbegleiterraum 1x
Ofenraum 1x
Endabort 1x
Einstiegsraum 1x
10233 Bln, 10234 Bln, SalL 4ü-38, SalL4ü-38, SalonL 4ü-38, SalonL4ü-38, Berlin, Salonwagen