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Stand: 06.04.2007
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Salonspeisewagen Sal R 4ü-37

Wagennummern: 10 241 Bln bis 10 244 Bln
Unter den dreizehn Wagen des "Dienstzuges 1937" befanden sich auch zwei reine Speisewagen, deren Erscheinung auf den ersten Blick sehr stark an die neueste Mitropa-Bauart erinnert. Anders als diese entsprachen die Salonwagen jedoch der Schürzenwagen-Bauart - eine Bauform, die bei der Mitropa erst im Jahr 1939 Einzug halten sollte. Nichts desto trotz ist die Verwandtschaft nicht zu verleugnen: Küche, Anrichte, Büfett und die beiden Speiseräume waren in ihren Dimensionen nahezu identisch ausgeführt worden.
Unterschiede stechen vor allem bei der Gestaltung des Fensterbandes im Bereich von Küche und Anrichte ins Auge, statt der drei schmalen Fenster bei jedem der beiden Räume kamen jeweils zwei etwas breitere Exemplare zur Anwendung. Auf der Gangseite fällt zudem das um 200 mm schlankere Fenster des Büfetts auf. Weniger auffällig und dennoch erwähnenswert ist die Tatsache, daß die Fenster gegenüber den Mitropa-Fahrzeugen höher ausfielen, da man sich bei deren Gestaltung an den anderen Salonwagen orientierte. Ein anderes Bild ergibt sich dagegen bei der Verwendung der Glaslamellenlüfter bei allen äußeren Fenstern der Speiseräume, denn dieses Detail war seinerzeit auch bei den Mitropa-WR noch üblich (das änderte sich erst 1938).
Die meisten Abweichungen in Bezug auf die Inneneinrichtung ergeben sich aus dem speziellen Verwendungszweck der Fahrzeuge, genannt seien hier die hochwertigeren Furnier-Hölzer, die (nicht ausschließlich) indirekte Beleuchtung und die Möblierung. Am interessantesten sind dabei zweifelsohne die frei beweglichen Tische und Stühle, mit denen ohne größere Probleme sowohl eine Mitropa-typische Aufstellung mit Einzeltischen als auch die Anordnung einer langen Tafel realisiert werden konnte. Um letzteres zu erreichen, ließ sich die Trennwand zwischen den Speiseräumen an die Seitenwände klappen bzw. ganz entfernen.
Im Jahr 1938 wurde die Speisewagenflotte der Regierungszüge um zwei weitere Exemplare ergänzt, wobei sich nur kleine Änderungen zu den ein Jahr zuvor gelieferten Wagen ergaben, weswegen die als 10 243 Bln und 10 244 Bln bezeichneten Fahrzeuge ebenfalls der Gattung "Sal R 4ü-37" angehören (für beide kursieren allerdings fälschlicherweise auch die Bezeichnungen "Sal R 4ü-38" und "Sdr R 4ü-38"). Unterschiede ergaben sich bei den Seitenschürzen und eventuell auch bei den Schlußsignalhaltern.
Konstruktion und Bau dieser Fahrzeuge oblagen den beiden Kasseler Waggonbaufabriken Wegmann & Co. sowie Gebrüder Credé, die zugleich als Stammlieferanten für die 'echten' Salonwagen fungierten. Während die Wagen 10 241 Bln und 10 243 Bln von Wegmann geliefert wurden, entstanden 10 242 Bln und 10 244 Bln bei Credé in Kassel-Niederzwehren (mit marginalen Abweichungen im Grundriß).

Verwendung und Umbauten bis 1945
Nach Auslieferung wurden die ersten beiden Wagen Göring und Hitler zugeteilt, wobei der 10 241 Bln im Zug Görings zum Einsatz kam. Und auch die beiden ein Jahr später gelieferten Fahrzeuge wurden offiziell diesen beiden Personen zugeordnet, wobei Göring wiederum den Wegmann-Wagen erhielt (also 10 243 Bln). Wie genau dabei die Zugbildung aussah, läßt sich nicht genau sagen, Fakt ist jedoch, daß in beiden Hauptzügen ab etwa 1938/39 ein zweiter Speisewagen mitgeführt wurde, wobei allerdings ausschließlich Aufstellungen bekannt sind, bei denen dieser zweite WR durch einen Mitropa-Speisewagen besetzt war. Vermutlich wurden die beiden nicht verwendeten Wagen als Reserve in Berlin abgestellt. Mit ziemlicher Sicherheit avancierte der 10 243 Bln dabei zum Stammwagen des Hauptzuges von Göring, das lassen zumindest einige Zug- Aufstellungen aus der Zeit 1939/40 vermuten.
Eine erste Veränderung an dieser Situation ergab sich nach der Einstellung des neuen Speisewagens Sdr R 6ü-40, 10 245 Bln in den Zug Hitlers (etwa Mitte 1941). Mit dieser Maßnahme wurde der bis dato im Zug stehende Wagen (vermutlich 10 242 Bln) ausgesetzt und verblieb forthin als Reserve-Fahrzeug in Berlin. Ein weiterer Einschnitt in die Verwendung der vier Sal R 4ü-37 zeichnete sich bereits im Oktober 1940 ab. Während der Übergabe des 10 215 Bln an Göring wurde der Wunsch geäußert, den zu diesem Zeitpunkt im Raw Potsdam befindlichen 10 241 Bln mit einer elektrischen Küche ausrüsten zu lassen, da sich der Rauch des Kohleherdes vor allem bei Unterbringung des Zuges in Tunneln unangenehm bemerkbar machte. Anschließend sollte der damals in den Göring-Zug "Asien" eingestellte 10 243 Bln in gleicher Weise hergerichtet werden. Neben dem Austausch des Herds mußte dafür auch vollkommen neues Kochgeschirr aus Chromargan beschafft werden.
Die vorgeschlagene Maßnahme wurde auch zügig bewilligt, offen ist jedoch, wann der Umbau des 10 241 Bln tatsächlich erfolgte. In einem Mitte Januar 1941 erstellten Brief wird neben der Anregung zur Beschaffung elektrischer Küchen für die beiden Speisewagen 10 242 Bln und 10 244 Bln beiläufig auch erwähnt, daß der Umbau des 10 241 Bln bereits im Gange ist. Anderseits wird im Juli gleichen Jahres die Möglichkeit sondiert, während des Einbaus der elektrischen Küche gleich noch eine neue Kältemaschine (gleicher Bauart wie im 10 215 Bln) zu installieren. Im Oktober wird dann mitgeteilt, daß der neue Herd bereits seit längerer Zeit eingebaut ist und man noch Probleme bei der Beschaffung des neuen Kochgeschirrs habe (Stichwort Kriegswichtigkeit und Kupferanteil). Das Ansinnen bzgl. der Kältemaschine wurde letztendlich verworfen, da die Lieferzeit von sechs bis acht Monaten den Zeitrahmen des Umbaus gesprengt hätte. Ende Dezember 1941 findet schließlich eine Probefahrt des fertiggestellten 10 241 Bln zusammen mit den Wagen 105 065 Bln, 105 636 Bln und 105 060 Bln statt, bei der gleichzeitig auch die (indirekte) Beleuchtung auf Herz und Nieren zu prüfen war, denn auch hier hatte man Änderungen vorgenommen: die Glühlampen in den Dachwuten waren nach aufwendiger Neuverkabelung durch Leuchtstoffröhren ersetzt worden, um die Wärmeentwicklung zu reduzieren. Daneben wurden noch einige kleinere Änderungen vorgenommen, die den Rahmen dieser Seite etwas sprengen würden.
Der 10 241 Bln ersetzte anschließend den 10 243 Bln im Zug "Asien", welcher von nun an als Reserve für den 10 241 Bln diente und anders als ursprünglich geplant (s.o.) keine elektrische Küche mehr bekam, da Hitler am 21.08.1941 entschieden hatte, vorerst keine weiteren Speisewagen mehr umrüsten zu lassen. Von dieser Entscheidung waren natürlich auch die beiden anderen Wagen betroffen (einen Monat zuvor war noch der Auftrag für den ersten der beiden Wagen ergangen).
Anfang Juni 1942 gibt es ein klares Bild bei der Verteilung der Wagen: 10 241 Bln fand sich nach wie vor im Zug "Asien", während die anderen drei Wagen als Reserve für ihn und den im Zug "Amerika" befindlichen 10 245 Bln abgestellt waren. Diesen Umstand zum Anlaß nehmend, versuchte die Rbd Berlin Vorbereitungen zum Einbau von Leuchtstoffröhren in die drei Reserve-Wagen in die Wege zu leiten, was jedoch an der fehlenden Dringlichkeitsbescheinigung scheiterte. An dieser Situation sollte sich bis Kriegsende auch nichts grundlegendes mehr ändern, die drei Wagen erhielten bis dahin weder elektrische Küchen noch eine Beleuchtungsanlage mit Leuchtstoffröhren.
Im weiteren Verlauf des Jahres 1942 wurde der 10 242 Bln schließlich weitgehend aus den Reserve-Diensten entlassen und stand spätestens ab diesem Zeitpunkt auch für Sonderzüge aus Anlaß von Staatsbesuchen (z. B. für Ehrengeleit-Fahrten) zur Verfügung. Vom hierfür zuständigen Auswärtigen Amt wurde daraufhin im Januar 1943 angeregt, den kleinen Speiseraum (am Wagenende) zum Gesellschaftsraum herrichten zu lassen, in dem die Zeit bis zum Eintreffen der Staatsgäste in angenehmer Weise überbrückt werden konnte. Um dieses Ziel zu erreichen, mußten keine größeren Eingriffe erfolgen, da die Umgestaltung hauptsächlich über eine neue Möblierung erreicht werden sollte: So hielten vier Sessel, drei kleinere runde Tische sowie zwei kleine einsteckbare Konsolentische Einzug, denen später noch zwei weitere Sessel folgen sollten. Als Ergänzung dienten zudem vier der sechs im Speisewagen vorhandenen Armlehnenstühle (auch "Präsidentenstühle" genannt). Die neuen Möbel waren dabei so gestaltet, daß sie notfalls innerhalb einer halben Stunde wieder aus dem Wagen entfernt werden konnten, um nach wie vor die Möglichkeit zu haben, bei größeren Gesellschaften eine über beide Speiseräume reichende Tafel aufstellen zu können. Der erste Einsatz des derart hergerichteten 10 242 Bln erfolgte schließlich Ende April 1943 beim Besuch des slowakischen Staatspräsidenten Dr. Tiso.
Nach diesem Zeitpunkt fehlen jegliche Hinweise zum Einsatz der vier Wagen, auch wenn man davon ausgehen kann, daß die zuletzt beschriebene Verteilung noch längere Zeit gültig gewesen sein dürfte. Bei Kriegsende befanden sich die beiden 1937 gebauten Sal R 4ü-37 in der britischen Zone, während die beiden anderen Wagen im us-amerikanischen Sektor aufgefunden wurden. Während der 10 244 Bln recht frühzeitig zum Bahndienstwagen Dienst 4ü-38/51, 729 061 Han, umgewandelt wurde, kamen seine drei Schwesterfahrzeuge unter der Regie von British Army (10 241, 10 242) und US Army (10 243) wieder als Salonwagen ins Rollen. Alle drei wurden schließlich in den Jahren 1951 (10 241, 10 243) und 1953 (10 242) an die Deutsche Bundesbahn rückübertragen.

Weiterführende Links
 Die Inneneinrichtung der Wagen
 Übersichtsskizzen
 Einsätze bei den Alliierten Streitkräften
 Der Wagen 10 241 bei der Deutschen Bundesbahn
 Der Wagen 10 242 bei der Deutschen Bundesbahn
 Der Wagen 10 243 bei der Deutschen Bundesbahn und der DSG
 Der Wagen 10 244 bei der Deutschen Bundesbahn
 Zur Übersicht der heute noch vorhandenen Neubausalonwagen
 Quellenangaben
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Technische Daten
Herstellerwerk 10 241 Bln, 10 243 Bln Wegmann & Co., Kassel
10 242 Bln, 10 244 Bln Gebrüder Credé
Baujahr 10 241 Bln, 10 242 Bln 1937
10 243 Bln, 10 244 Bln 1938
Beschafft auf Vertrag 10 241 Bln, 10 242 Bln 03.966 / 59.004
10 243 Bln, 10 244 Bln 03.966 / 59.012
Eigengewicht 10 241 Bln, 10 242 Bln 63,7 t
10 243 Bln, 10 244 Bln 63,5 t
Länge über Puffer 23.500 mm
Länge des Wagenkastens (mit Schürzen) 23.200 mm
Länge des Wagenkastens (ohne Schürzen) 22.200 mm
Drehzapfenabstand 16.180 mm
Größte Breite des Wagenkastens 2.880 mm
Wagenhöhe über Schienenoberkante 3.980 mm
Fußbodenhöhe über Schienenoberkante 1.260 mm
Drehgestellbauart Görlitz III schwer 4.Federung
Drehgestellachsstand 3.600 mm
Generatorbauart 10 241 Bln, 10 242 Bln Tatzlagergenerator ZOG 180
10 243 Bln, 10 244 Bln Tatzlagergenerator ZOG 181
Bremsbauart Kksbr, Hnbr
Heizungsbauart Whzde, Ofen
Beleuchtung Elektrisch
Schlußsignalhalter Aufgesetzt
Dachlüfter Doppelte Wendlerlüfter 4 Stück
Kuckuckslüfter 2 Stück
Abteile Einstiegsräume 2x
Ofenraum 1x
Speiseraum, klein (Raucher) 1x
Speiseraum, groß (Nichtraucher) 1x
Büffet 1x
Anrichte 1x
Küche 1x
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