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Stand: 06.04.2007
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Salonautotransportwagen Sal Pw 4ü(F)-39

Wagennummern: 10 291 Bln bis 10 293 Bln sowie
919 039 [P] Bln und 919 040 [P] Bln
Nachdem im Jahr 1938 bereits ein vorhandener Packwagen der Bauart Pw 4ü-37 nach Vorbild von Fahrzeugen der Königlich Ungarischen Staatsbahn zum Autotransportwagen hergerichtet worden war, wurde im November des selben Jahres die Beschaffung von drei weiteren Wagen gleichen Typs angeordnet. Allerdings sollte es sich diesmal um Neubaufahrzeuge handeln, die zudem in wind- schnittiger Bauart zu liefern waren. Einige Zeit später erfolgte zudem die Bestellung zweier weiterer Wagen durch die Wehrmacht.
Im großen und ganzen wurde bei den Neubauwagen das Konzept des als Sal Pw 4ü-37/38 bezeichneten 'Prototyps' (s. o.) übernommen, so daß auch bei der Anordnung der Räumlichkeiten deutliche Übereinstimmungen zu finden waren: Dem von den Abmessungen her fast identischen Garagenraum folgten das etwas größere Begleiterabteil mit zwölf Sitz- und zwei Schlafplätzen sowie ein kleiner Gang, mit dem das neu hinzugekommene WC, der Schaltschrank sowie der abschließende Einstiegsraum erschlossen wurde. Neu hinzugekommen war auch eine zwischen Garagenraum und Begleiterabteil angeordnete Schleuse mit Schränken zur Unterbringung von Kleidung und Tischwäsche.
Technisch konnten diese (zumindest für Deutschland) neuartigen Fahrzeuge mit einigen interessanten Details aufwarten, hierzu zählt natürlich insbesondere die Konstruktion der pneumatisch betriebenen, zusammenklappbaren Auffahrtsrampe sowie der Drehscheibe. Die Rampe war dabei für das Be- und Entladen auf Gleisebene gedacht, was mit ein wenig Aufwand an den meisten Orten möglich war. Dagegen kam die Drehscheibe nur zum Einsatz, wenn seitlich ein genügend hoher Bahnsteig oder eine entsprechende Rampe zur Verfügung stand, von denen die mitgeführten Fahrzeuge herunterfahren konnten. Nicht uninteressant sind sicherlich auch die ca. 6,2 m breiten Schiebetüren, die mit zwei Fenstern ausgestattet waren und natürlich vor allem zum "Freilegen" der Drehscheibe dienten.
Dem Zweck entsprechend war die Einrichtung recht schlicht gehalten, so wiesen Wände und Decke des Garagenraums einen einfarbigen Anstrich auf (Decke: Weiß), während der Fußboden eben jenes Raums mit dünnem Riffelblech belegt war. Die Wände des Begleiterraums erhielten dagegen ein Furnier aus Birnbaum. Weitere Einzelheiten sind nicht bekannt.
Im Verlauf des Jahres 1939 konnte mit der Fertigung der drei Reichsbahn-Fahrzeuge begonnen werden. Aufgrund einer Verfügung des RVM mußten die Arbeiten mußten im Oktober des gleichen Jahres jedoch wieder unterbrochen werden (betraf alle Wagen des Fahrzeugprogramms 1939, die nicht bereits zu mindestens 60% fertiggestellt waren). Im darauffolgenden Monat bemühte sich das RZA Berlin jedoch um den Weiterbau wenigstens eines Wagens, da die Arbeiten beim Herstellerwerk in Bautzen schon recht weit fortgeschritten waren (Untergestell des ersten Wagens vorhanden, Hydraulik und Auffahrrampen sowie andere Teile weitgehend fertig). Dem Ansinnen wurde noch im November stattgegeben und nur wenige Wochen später erging eine weitere Verfügung, die den Weiterbau auch eines zweiten Fahrzeugs anordnete. Daraufhin wurde die Waggon- und Maschinenfabrik (vormals Busch, Bautzen) Anfang 1940 beim RZA Berlin vorstellig und bat darum, es bei der ursprünglichen Bestellung über drei Wagen zu belassen, da viele Spezialteile für den dritten Wagen (u. a. Rampen, Lüfter sowie Beleuchtungs- und Heizungsanlage) ebenfalls schon vorhanden bzw. nahezu fertiggestellt seien. Im März 1940 wurde die Genehmigung für die Wiederaufnahme der Arbeiten am dritten Fahrzeug erteilt.
Die Fertigstellung der drei Wagen verzögerte sich allerdings ein wenig, da die automatische Betätigung der Rampe noch nicht den Anforderungen genügte. Der erste Kraftwagen-Verladewagen wurde dann im Zeitraum Ende August bis Anfang November 1940 ausgeliefert, mußte aber nach einer Versuchsfahrt wieder seinem Herstellerwerk in Bautzen zugeführt werden. Grund hierfür waren (konstruktive) Mängel, die bei allen drei Wagen noch beseitigt werden mußten. Alle drei Wagen dürften jedoch noch im Winter 1940/41 an die Reichsbahn übergeben worden sein.
Bereits Mitte 1939 zeigte die Wehrmacht Interesse an den als Kraftwagen-Verladewagen bezeichneten Fahrzeugen und ließ sich die Zeichnung des 1938 hergerichteten Wagens zusenden. Allerdings sollten danach noch fast zwei Jahre vergehen, ehe sich das OKH in diesem Zusammenhang erneut an die Reichsbahn wandte: Im März 1941 bat man das RZA Berlin, zwei derartige Fahrzeuge (der Bauart 1939) zu Lasten der Wehrmacht zu beschaffen. Eine Anfrage bei der Waggon- und Maschinenfabrik in Bautzen ergab, daß eine Lieferung der Wagen theoretisch etwa drei bis vier Monate nach Eingang aller Stoffe möglich wäre.
Mindestens einer der beiden Wagen wurde in der Folge allerdings bei Westwaggon in Auftrag gegeben, ob dies auch auf den zweiten Wagen zutrifft, konnte bislang nicht zweifelsfrei geklärt werden. Im übrigen waren für die beiden Fahrzeuge ursprünglich die Reichsbahn-Nummern 10 294 Bln und 10 295 Bln vorgesehen, da es sich jedoch (von Anfang an) um Privatwagen der Wehrmacht handelte, erhielten sie letztendlich die Nummern 919 039 [P] Bln und 919 040 [P] Bln (es sind demnach streng genommen gar keine Reichsbahn-Salonwagen). Der genaue Lieferzeitpunkt beider Fahrzeuge ist nicht bekannt, jedoch befanden sich beide im November 1941 noch im Bau. Spätestens ab Ende März 1942 standen sie dann aber dem OKH zur Verfügung.

Verwendung und Umbauten bis 1945
Über den Einsatz der fünf Wagen ist nicht allzu viel bekannt. In den Hauptzügen der wichtigsten Protagonisten tauchen sie eher selten auf, lediglich der 10 293 Bln befand sich zeitweise im Hauptzug Görings. Viel wahrscheinlicher dürfte der Einsatz in den Vorzügen von Göring und eventuell auch Hitler gewesen sein. Belegt sind auch Einsätze im Luftwaffen-Befehlszug "Robinson", der in der Regel in der Nähe von Görings Zug "Asien" zu finden war. Die Verwendung der Wagen 919 039 [P] Bln und 919 040 [P] Bln ist hingegen weitgehend bekannt, denn üblicherweise waren beide in den Sonderzug des OKH eingestellt ("Afrika").
Alle fünf Wagen befanden sich bei Kriegsende in der amerikanischen Besatzungszone und wurden bis auf einen von der US Army beschlagnahmt. Der 919 040 [P] Bln wurde hingegen im Zeitraum bis 1949 direkt zum Bahndienstwagen 729 016 Mü hergerichtet und verblieb damit bei der Deutschen Bundesbahn. 10 291 und 10 293 wurden schließlich am 10.12 bzw. 21.12.1951 an die Deutsche Bundesbahn zurückgegeben, während 10 292 und 919 040 nach 1955 in die Obhut der Öster- reichischen Bundesbahnen übergeben wurden.

Weiterführende Links
 Übersichtsskizzen
 Einsätze bei den Alliierten Streitkräften
 Der Wagen 10 291 bei der Deutschen Bundesbahn
 Der Wagen 10 292 bei den Österreichischen Bundesbahnen
 Der Wagen 10 293 bei der Deutschen Bundesbahn
 Der Wagen 919 039 bei den Österreichischen Bundesbahnen
 Der Wagen 919 040 bei der Deutschen Bundesbahn
 Zur Übersicht der heute noch vorhandenen Neubausalonwagen
 Quellenangaben
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Technische Daten
Herstellerwerk 10 291 Bln - 10 293 Bln
(sowie 919 040 [P] Bln)
Busch, Bautzen
919 039 [P] Bln (und 919 040 [P] Bln) Westwaggon, Köln-Deutz
Baujahre 10 291 Bln - 10 293 Bln 1940/41
919 039 [P] Bln, 919 040 [P] Bln 1941 oder 1942
Beschafft auf Vertrag 10 291 Bln - 10 293 Bln (03.966 ?) / 29.309 und 29.321 *
919 039 [P] Bln, 919 040 [P] Bln (03.966 ?) / 29.327
Eigengewicht 45,4 t
Länge über Puffer 22.900 mm
Länge des Wagenkastens (mit Schürzen) 22.580 mm
Länge des Wagenkastens (ohne Schürzen) 21.600 mm
Drehzapfenabstand 15.200 mm
Größte Breite des Wagenkastens 2.911 mm
Wagenhöhe über Schienenoberkante 3.980 mm
Fußbodenhöhe über Schienenoberkante 1.240 mm
Drehgestellbauart Görlitz III leicht 4.Federung
Drehgestellachsstand 3.000 mm
Generatorbauart Generator mit Kettenradantr. Dps 110 V
Bremsbauart Kksbr, Hnl
Heizungsbauart Whz, Ofen
Beleuchtung Elektrisch
Schlußsignalhalter In Dachnischen versetzt
Dachlüfter Kuckuckslüfter 6 Stück
Abteile Garagenraum 1x
Begleiterabteil 1x
Endabort 1x
Einstiegsraum 1x

* 29.309 gilt vermutlich für 10 291 Bln, 29.321 wahrscheinlich für 10 292 Bln und 10 293 Bln.
10291 Bln, 10292 Bln, 10293 Bln, 919039 Bln, 919040 Bln, SalPw 4ü(F)-39, SalPw4ü(F)-39, SalonPw 4ü(F)-39, SalonPw4ü(F)-39, SdrPw4ü(F)-39, SdrPw 4ü(f)-39, Berlin, Salonwagen