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Stand: 06.04.2007
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Salonpackwagen Sal Pw 4ü-38

Wagennummern: 105 071 Bln bis 105 073 Bln
Neben drei weiteren Gepäckwagen mit Maschinen- anlage lieferte Linke Hofmann im Jahr 1938 auch drei "reine" Salon-Packwagen an die Reichsbahn. Vergleicht man den Grundriß der beiden Bauarten miteinander, so wird relativ schnell klar, daß es sich bei den Sal Pw 4ü-38 im Grunde lediglich um eine Variation der Maschinenpackwagen handelt. So entspricht die Aufteilung der Abteile am NHBrE exakt den zuvor gelieferten Fahrzeugen. Und auch Anrichte, Küche und Zugführerabteil waren bis auf die nochmals schmalere Ausführung identisch. In Wagenmitte befand sich schließlich der deutlich erweiterte Packraum, dessen Schiebetüren zweckmäßigerweise etwas weiter in Richtung der Schlafräume verschoben wurden. Allerdings blieb es auch hier bei nur einer (doppelflügeligen) Tür pro Wagenseite, die wie bei den Sal Masch Pw 4ük in Seitenwandtaschen liefen. Ungewöhnlich ist nebenbei die Tatsache, daß das Nebengattungszeichen "k" trotz der vorhandenen Küche keinen Einzug in die Gattungsbezeichnung gefunden hat (anders als bei den Salon-Maschinengepäckwagen!).
Alle Wagen der Bauart Sal Pw 4ü-38 wurden von den Linke Hofmann Werken in Breslau fristgemäß im Herbst 1938 an die Deutsche Reichsbahn geliefert.

Verwendung und Umbauten bis 1945
Zu den Einsätzen der drei Wagen ist verhältnismäßig wenig bekannt, allerdings kann wenigstens für die Zeit zwischen 1939 und 1942 eine halbwegs gesicherte Einteilung vorgenommen werden. Demnach befand sich der 105 071 Bln seinerzeit überwiegend im Sonderzug des Außenministers von Ribbentrop (am Anfang "Heinrich", ab ca. 1940 dann "Westfalen"), während seine zwei Schwesterfahrzeuge hauptsächlich in den Zügen Görings anzutreffen waren. Teilweise liefen beide sogar gleichzeitig im Hauptzug "Asien" (so auch im April 1942).
Da der Wagen 105 071 Bln im Jahr 1941 bei der Beschaffung der Breitspurdrehgestelle dem Anschein nach nicht berücksichtigt wurde, kann man davon ausgehen, daß er zu diesem Zeitpunkt nicht Bestandteil des Ribbentrop-Zuges war oder aber einfach die entsprechende(n) Reise(n) nicht mitmachen sollte/konnte.
Im Laufe der Einsatzjahre haben sich einige kleinere und größere Umbauten ergeben, die insbesondere im Zusammenhang mit der Nahrungsmittelversorgung der Sonderzüge zu sehen sind. So teilt die Rbd Berlin dem Reichsverkehrsministerium im September 1939 mit, daß sich vor allem bei längeren Reisen ins Ausland immer wieder Probleme bei der Unterbringung von Fleisch und anderen verderblichen Waren ergeben haben. Man empfiehlt daher den Einbau von Großraumkühlschränken mit cirka 1500 l Fassungsvermögen in die Wagen 105 071 Bln bis 105 073 Bln. Dafür war im Gepäckraum der an der Wand zur Anrichte befindliche Schrank auszubauen und an dieser Stelle ein cirka 3 m breites Abteil zu schaffen, das den Kühlschrank sowie ein Flaschengestell aufnehmen konnte. Der ausgebaute Schrank wiederum sollte nun an der Abteilseite zwischen zweitem Fenster und Packraumtür Platz finden. Außerdem war unter anderem ein weiterer 3 m breiter Raum für persönliches Gepäck an der Wand zu den Abteilen vorgesehen (abschließbar). Die vorgeschlagenen Umbauten wurden noch im Oktober genehmigt und ein Vermerk vom September 1940 läßt darauf schließen, daß die Arbeiten tatsächlich auch durchgeführt worden sind.
Im Juli 1941 tritt die Adjutantur Görings mit dem Wunsch an die Reichsbahn heran, den 105 073 Bln nach dem Muster des Salon-Maschinengepäckwagens 105 063 Bln herrichten zu lassen. Die erbetenen Arbeiten umfaßten demnach das Entfernen von Küche, Anrichte und Zugführerabteil sowie die Ausgestaltung des gewonnenen Raums als Kühlraum (unter anderem mit einem 2200 l fassenden Kühlschrank. Allerdings zog sich der Beginn des Umbaus einige Monate hin, da für eine Bestellung des Kühlschranks erst die notwendigen Dringlichkeitsstufen erwirkt werden mußten, so daß mit den Arbeiten frühestens im Oktober, vermutlich aber erst im Dezember begonnen werden konnte. Der Wagen ist schließlich im Februar oder März 1942 wieder dem Betrieb übergeben worden. Ob anläßlich dieses Umbaus - ähnlich wie beim 105 063 Bln - auch der Dachaufbau über dem Zugführerabteil ausgebaut wurde, ist nicht bekannt (einige Hinweise sprechen aber zumindest dafür).
Bei Kriegsende befanden sich die beiden letztgebauten Fahrzeuge in der amerikanischen Besatzungszone und wurden von der US Army beschlagnahmt. Die Rückgabe beider Wagen dürfte um 1951 (105 072) und 1952/53 (105 073) erfolgt sein. Zum Standort des 105 071 bei Kriegsende ist nicht viel bekannt, allerdings wird er im Jahr 1949 bei Wegmann zum Meßwagen Dienst4üe-38/49, 729 047 Han hergerichtet und verblieb somit ebenfalls bei der Deutschen Bundesbahn. Sollte der Umbau noch während der Besatzungszeit stattgefunden haben, wäre dies äußerst bemerkenswert, da Kassel (Wegmann) und Hannover/Minden in unterschiedlichen Besatzungszonen lagen (normalerweise wurden Fahrzeuge einer Besatzungszone nur in Werken derselben Zone umgebaut).

Weiterführende Links
 Die Inneneinrichtung der Wagen
 Übersichtsskizzen
 Einsätze bei den Alliierten Streitkräften
 Der Wagen 105 071 bei der Deutschen Bundesbahn
 Der Wagen 105 072 bei der Deutschen Bundesbahn
 Der Wagen 105 073 bei der Deutschen Bundesbahn
 Quellenangaben
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Technische Daten
Herstellerwerk LHW Breslau
Baujahr 1938
Beschafft auf Vertrag 03.966 / 59.015
Durchschnittliches Eigengewicht 52,7 t
Länge über Puffer 23.500 mm
Länge des Wagenkastens (mit Schürzen) 23.200 mm
Länge des Wagenkastens (ohne Schürzen) 22.200 mm
Drehzapfenabstand 16.180 mm
Größte Breite des Wagenkastens 2.880 mm
Wagenhöhe über Schienenoberkante ohne Kanzel 3.980 mm
Wagenhöhe über Schienenoberkante mit Kanzel 4.270 mm
Fußbodenhöhe über Schienenoberkante 1.260 mm
Drehgestellbauart Görlitz III schwer 4.Federung
Drehgestellachsstand 3.600 mm
Generatorbauart Tatzlagergenerator ZOG 181
Bremsbauart Kksbr, Hnbr
Heizungsbauart Whzde, Ofen
Beleuchtung Elektrisch
Schlußsignalhalter Aufgesetzt
Dachlüfter Kuckuckslüfter 5 Stück
Abteile Einstiegsräume 2x
Endabort 1x
Ofenraum 1x
Wagenbegleiterraum zweibettig 1x
Abteile zweibettig 2x
Packraum 1x
Anrichte 1x
Küche 1x
Zugführerabteil mit Beobachtungskanzel 1x
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