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Stand: 06.04.2007
´VektorzeichnungSkizze mit Ebenen
Salonnachrichtenwagen Sal N 6ü-39

Wagennummer: 10 254 [P] Bln
Im Fahrzeugprogramm des Jahres 1939 waren auch zwei als Nachrichtenwagen bezeichnete Fahrzeuge vertreten. Und wie der Name bereits vermuten läßt, waren sie dazu bestimmt, für die Machthaber im Zug die Übermittlung von Nachrichten und Befehlen zu übernehmen und gleichzeitig über die aktuelle Tageslage informiert zu sein.
Die beiden Wagen unterscheidet dabei aber nicht nur der fehlende Beraterraum von den zuvor gelieferten Beratungs- wagen, vielmehr besitzen sie mit jeweils einem Dieselgenerator eine autarke Stromversorgung, der bei Bedarf auch die anderen Wagen des jeweiligen Zugs mit Energie beliefern konnte. Grund hierfür dürfte neben dem recht hohen Strombedarf der Wagen unter anderem der relativ knappe Bestand an Maschinenpackwagen gewesen sein.
Beim hier vorgestellten 10 254 Bln befand sich der Dieselgeneratorraum direkt hinter dem Einstiegsraum am Nichthandbrems- Ende und somit fast direkt über dem Drehgestell. Nach einem schmalen Kofferraum folgten drei zweibettige Schlafräume sowie die eigentlichen Abteile zur Nachrichtenübertragung (mit dazwischenliegendem Raum für den Nachrichtenführer). Die Bedeutung des letzten Raums vor der Seitengangtür erschließt sich bislang nicht, zumal er ohne Fenster geblieben ist (laut Bruno Rebbelmund könnte es sich um den sogenannten "Schlüsselraum" zur Codierung und Decodierung von Nachrichten handeln). Bekannt ist dagegen der Verwendungszweck des Raums, der den Platz des sonst üblichen Wagenbegleiterabteils einnimmt: in ihm wurden Technik und Geräte untergebracht (ist also im Prinzip ein Lagerraum). Den Abschluß bilden wie so oft das WC und der zweite Einstiegsraum. Vergleicht man den Grundriß mit dem des 10 255 Bln, so wird man feststellen, daß der 10 254 Bln insgesamt weniger Räume zur Unterbringung von Übertragungstechnik aufzubieten hatte, was sicher auch einige Rückschlüsse auf den Nutzer des Fahrzeugs zuläßt.
Die Beschaffungsgeschichte ist eng an die des Salonwagens 10 213 Bln gekoppelt, denn als Außenminister von Ribbentrop im November 1938 den Wunsch nach einem neuen Salonwagen äußerte, stand noch ein weiteres Fahrzeug auf seinem Wunschzettel: ein Beratungswagen (die Bezeichnung Nachrichtenwagen entstand erst später). Nachdem sich das AA wie schon beim späteren 10 213 Bln bereit erklärt hatte, die Kosten zu übernehmen und den benötigten Stahl zur Verfügung zu stellen, gab auch die Reichsbahn Ihr Einverständnis zur Beschaffung des nunmehr als 10 254 Bln geführten Wagens.
Aufgrund seines enormen Gewichts (zusammen mit dem 10 255 Bln galt er als der schwerste Personenwagen der Deutschen Reichsbahn überhaupt!) war von Anfang an klar, daß dreiachsige Drehgestelle unterzubauen waren, die wie bei fast allen Salonwagen bei der WUMAG in Görlitz entstanden sind. Konstruktion und Bau des Wagens oblagen dagegen der Waggon- fabrik Wegmann & Co. aus Kassel. Die ursprünglich auf Ende 1939 terminierte Fertigstellung des Wagens verzögerte sich aufgrund des heraufbeschworenen Krieges allerdings immer wieder, so daß der Wagen, obwohl sein Bau anders als beim 10 213 Bln im September 1939 nicht gestoppt wurde, letztendlich erst Ende Mai 1940 die Werkshallen verließ.

Verwendung und Umbauten bis 1945
Der 10 254 Bln stand nach seiner Lieferung dem Auswärtigen Amt zur Verfügung und wurde folglich in den Dienstwagenzug des Außenministers Joachim von Ribbentrop eingestellt. Zum Zeitpunkt der Lieferung könnte das noch der Ministerzug "Heinrich" gewesen sein, nach der Herauslösung des AA-Zugteils spätestens im September 1939 dann natürlich der eigenständige Verband "Westfalen". Im Jahr 1941 erhielt der Wagen zusammen mit anderen Fahrzeugen des Ribbentropschen Sonderzugs Drehgestelle für die sowjetische Breitspur (1524 mm), um die dortigen Strecken befahren zu können (diese Drehgestelle wurden irgendwann nach 1945 verschrottet).
Es ist davon auszugehen, daß der Wagen bis zum Kriegsende im Zug des Auswärtigen Amtes verblieb und somit zusammen mit den anderen Fahrzeugen in die Hände der US Army fiel. Und tatsächlich stand er ab 1945 der us-amerikanischen Besatzungsmacht zur Verfügung und wurde wahrscheinlich mit Inkrafttreten des Staatsvertrags 1955 an die Österreichischen Bundesbahnen übergeben.

Weiterführende Links
 Übersichtsskizzen
 Einsätze bei den Alliierten Streitkräften
 Der Wagen 10 254 bei den Österreichischen Bundesbahnen
 Zur Übersicht der heute noch vorhandenen Neubausalonwagen
 Quellenangaben
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Technische Daten
Herstellerwerk Wegmann & Co., Kassel
Baujahr 1940
Beschafft auf Vertrag 03.966 / 59.024
Beschaffung Breitspurdrehgestelle auf Vertrag 03.966 / 59.030
Eigengewicht 78,4 t
Länge über Puffer 24.300 mm
Länge des Wagenkastens (mit Schürzen) 24.000 mm
Länge des Wagenkastens (ohne Schürzen) 23.000 mm
Drehzapfenabstand 16.960 mm
Größte Breite des Wagenkastens 2.854 mm
Wagenhöhe über Schienenoberkante 3.979,5 mm
Fußbodenhöhe über Schienenoberkante 1.260 mm
Drehgestellbauart Sonderbauart Görlitz, 3-achsig
Drehgestellachsstand 3.600 mm
Generatorbauart Tatzlagergenerator ZOG 181
Bremsbauart Kksbr, Hnbr
Heizungsbauart Whzde, Ofen
Beleuchtung Elektrisch
Schlußsignalhalter In Dachnischen versetzt
Dachlüfter Kuckuckslüfter 7 Stück
Abteile Einstiegsräume 2x
Dieselgeneratorraum 1x
Kofferraum 1x
Abteile zweibettig 3x
Funk- und Fernschreibräume (?) 2x
Nachrichtenführerraum 1x
Schlüsselraum (?) 1x
Raum für Technik und Geräte 1x
Ofenraum 1x
Endabort 1x
10254 Bln, SalN 6ü-39, SalN6ü-39, SalonN 6ü-39, SalonN6ü-39, Berlin, Salonwagen