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Stand: 12.06.2009
´VektorzeichnungSkizze mit Ebenen
Salonmaschinengepäckwagen Sdr Masch Pw 4ü-43

Wagennummern: 105 066 Bln, 105 067 Bln
Trotz der angespannten Situation entstanden im mittlerweile vierten bzw. fünften Kriegsjahr zwei weitere Maschinengepäckwagen für die Regie- rungszüge der Reichsbahn.
Und obwohl die beiden Fahrzeuge erst im Jahr 1943 geliefert worden sind, reicht ihre Geschichte deutlich weiter zurück. Bereits Ende 1938 war abzu- sehen, daß der Bedarf mit den vorhandenen sechs Salon-Maschinengepäckwagen zukünftig kaum mehr gedeckt werden konnte. Und so faßte man die Beschaffung zweier weiterer Sal Masch Pw ins Auge. Nachdem jedoch Anfang 1939 sowohl das Auswärtige Amt als auch die SS den Bau je eines Nachrichtenwagens mit Dieselgeneratoranlage durchdrückten, sah man letztendlich von einer Bestellung der beiden Maschinenpackwagen ab.
Allerdings sollte es nicht lange dauern, bis dieses Thema erneut auf der Tagesordnung stand. Denn bereits im August 1939 wurde beschlossen, im Zuge des Fahrzeugprogramms 1940 drei neue Salon-Maschinengepäckwagen bauen zu lassen. Hierbei sollten die drei bereits für die Wagen 105 063 Bln bis 105 065 Bln gelieferten Dampfkraftanlagen Verwendung finden. Mit der kriegsbedingten Stornierung des Fahrzeugprogramms 1940 im September 1939 war dann aber auch die Beschaffung dieser drei Wagen hinfällig.
Der nächste Anlauf zum Bau der drei Fahrzeuge wird rund ein Jahr später im Rahmen eines groß angelegten Salonwagen- Beschaffungsprogramms unternommen. Allerdings sollte auch diesem Versuch nur eine kurze Lebensdauer beschieden sein, denn schon im Februar 1941 folgte die neuerliche Stornierung. Allerdings zeigte man sich diesmal hartnäckiger, zumal die Rbd Berlin dringend Reservewagen zur Gewährleistung eines reibungslosen Betriebs der Regierungs- und Befehlszüge benötigte. Und so willigte im März 1941 der Staatssekretär im Reichsverkehrsministerium, Wilhelm Kleinmann, in die Beschaffung der drei Maschinengepäckwagen mit Dampfanlagen (und der zwei Begleitkommandowagen 10 224 Bln und 10 225 Bln) ein. Fortan wurde der Bau der drei Fahrzeuge forciert, wobei sich etwa Mitte 1941 eine kleine Änderung ergab: zwei der drei Wagen sollten nun doch mit Dieselgeneratoranlagen geliefert werden, da man bei diesen einen geringeren konstruktiven Aufwand erwartete. Wenige Monate später wurde die Beschaffung des Dampfwagens sogar zurückgestellt.
Aber auch der Liefertermin der beiden übriggebliebenen Fahrzeuge verschob sich im Lauf der Zeit unter anderem aufgrund des vorherrschenden Fachkräftemangels immer weiter nach hinten. Hoffte man anfangs noch, beide Wagen in der zweiten Jahreshälfte 1942 zur Verfügung stehen zu haben, zog sich der Bau letztendlich noch rund ein Jahr länger hin.
Im Vergleich zu den zuvor gelieferten Fahrzeugen gleicher Bauart ergaben sich einige Unterschiede, die in vielen Bereichen entweder auf Erfahrungen mit den sechs Jahre alten Sal Masch Pw 4ük-37 oder auf neue technologische und bahntechnische Entwicklungen zurückzuführen sind. Dabei stechen äußerlich vor allem zwei Veränderungen ins Auge: die fehlende Dachkanzel und die auffälligen Lüftungsöffnungen im Dach. Während der Wegfall der Zugführerkanzel seine Bewandtnis in veränderten Vorschriften zur Zugbeobachtung hatte, trugen die sichtbaren Lüftungsschlitze zur Kühlung des Wasser- und Ölkreislaufs im Maschinenraum bei. Diese Maßnahme war gleichzeitig nur eine von vielen, um die Geräuschentwicklung bei laufendem Motor sowohl außer- als auch innerhalb des Fahrzeugs möglichst niedrig zu halten. Interessant sind in diesem Zusammenhang einige Details der Wagenkonstruktion: so bestanden die Wände von Schaltwarte und Dieselgeneratorraum aus ca. 50 mm starken Leichtmetall-Blechfeldern (außen glattes, innen gelochtes Blech), die mit einer Füllung aus Glas- und Schlackewolle versehen waren. Des weiteren waren die Seitenwandfenster beider Räume zur besseren Isolierung als Doppelfallfenster ausgeführt.
Beim Betrachten der Übersichtsskizze werden neben der auf 24,3 m vergrößerten LüP noch weitere Veränderungen gegenüber den Fahrzeugen der Baujahre 1937/38 deutlich. So finden sich nun statt drei Schlafräumen (inkl. Wagenbegleiterraum) derer vier, wobei jedoch die beiden äußeren wesentlich schmaler ausfielen und zudem nur noch mit einem Bett ausgerüstet waren (die beiden inneren Abteile besaßen je zwei Betten). Am deutlichsten zeigen sich die Unterschiede jedoch am HBrE, wo Küche und Anrichte komplett weggelassen worden sind und anstelle des nicht mehr benötigten Zugführerabteils ein Vorratsraum samt Kühlschrank angeordnet wurde. Bei der Entscheidung über den Verzicht auf Anrichte und Küche dürften die Erfahrungen mit den anderen Salon-Packwagen (mit und ohne Dieselgenerator) eine gewichtige Rolle gespielt haben, sind entsprechende Einrichtungen doch nach und nach aus mehreren Fahrzeugen entfernt worden (mindestens bei 105 063 Bln, 105 065 Bln und 105 073 Bln).
Für Konstruktion und Bau der beiden Sdr Masch Pw 4ü-43 waren die Linke Hofmann Werke aus Breslau zuständig. Während der 105 066 Bln im September 1943 an die Deutsche Reichsbahn übergeben werden konnte, folgte sein Schwesterwagen 105 067 Bln erst einige Monate später im Dezember des gleichen Jahres.

Verwendung und Umbauten bis 1945
Während der Wagen 105 066 Bln nach einigen kleineren Nachbesserungen fast unmittelbar nach seiner Lieferung in Betrieb gehen konnte, traten beim Schwesterwagen 105 067 Bln größere Mängel an der Dieselgeneratoranlage auf, die eine Inbetrieb- nahme vorerst unmöglich machten (unruhiger Lauf in Folge von Beschädigungen am Dieselmotor). So konnte der 105 067 Bln erst im Juni 1944 nach längerer Abstellphase und anschließender Überholung des Motors (April/Mai 1944) endgültig vom Bww Yorckstraße übernommen werden.
Über den Einsatz der beiden Wagen liegen derzeit nicht allzu viele Angaben vor. Beim 105 066 Bln ist bekannt, daß er im Zeitraum Ende 1944 bis Anfang 1945 zweimal in den Zug Hitlers eingestellt wurde ("Brandenburg" bzw. "Brandenburg I"), wo er vorübergehend den 105 065 Bln zu ersetzen hatte. Was danach mit ihm geschehen ist, liegt nach wie vor im Dunkeln. Bei einer Wagenzählung der Deutschen Reichsbahn im Jahr 1946 wird er nicht aufgefunden und galt fortan als verschollen. Das erste nachweisbare Lebenszeichen datiert erst vom Juni 1952, als er mit Kriegsschäden (unbekannter Schwere) ins Raw Delitzsch eingeliefert wurde. Hier erfolgte anschließend die Herrichtung zum Meßwagen für die Deutsche Reichsbahn (DDR).
Der 105 067 Bln dürfte hingegen im April 1945 zusammen mit einem der beiden "Brandenburg"-Züge (Vor- und Hauptzug) von Linda (Elster) aus in Richtung Süden aufgebrochen sein. Einige Wochen später beschlagnahmte die US Army den Wagen dann in Österreich und setzte ihn anschließend für eigene Zwecke ein. Die Rückgabe an die Deutsche Bundesbahn erfolgte schließlich am 10.12.1951.

Weiterführende Links
 Die Inneneinrichtung der Wagen
 Übersichtsskizzen
 Einsätze bei den Alliierten Streitkräften
 Der Wagen 105 066 bei der Deutschen Reichsbahn (DDR)
 Der Wagen 105 067 bei der Deutschen Bundesbahn
 Zur Übersicht der heute noch vorhandenen Neubausalonwagen
 Quellenangaben
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Technische Daten
Herstellerwerk LHW Breslau
Baujahr 1943
Beschafft auf Vertrag (ab Fahrzeugprogramm 1941) 03.966 / 59.035 bzw. 26(59).035
Entwicklungskostenvertrag ("Entwicklungsfahrzeug") 03.966 / 26(59).036
Durchschnittliches Eigengewicht 55,7 t
Länge über Puffer 24.300 mm
Länge des Wagenkastens (mit Schürzen) 24.000 mm
Länge des Wagenkastens (ohne Schürzen) 23.000 mm
Drehzapfenabstand 16.960 mm
Größte Breite des Wagenkastens 2.854 mm
Wagenhöhe über Schienenoberkante 3.980 mm
Fußbodenhöhe über Schienenoberkante 1.260 mm
Drehgestellbauart Görlitz III schwer 4.Federung
Drehgestellachsstand 3.600 mm
Generatorbauart Achsgeneratoren
Bremsbauart Kksbr, Hnbr
Heizungsbauart Whzde, Ofen
Beleuchtung Elektrisch
Schlußsignalhalter In Dachnischen versetzt
Dachlüfter Kuckuckslüfter 8 Stück
Abteile Einstiegsräume 2x
Endabort 1x
Ofenraum 1x
Abteile einbettig 2x
Abteile zweibettig 2x
Schaltraum/-zentrale 1x
Dieselgeneratorraum m. Werkbank 1x
Packraum 1x
Vorratsraum 1x
105066 Bln, 105067 Bln, SalMaschPw 4ü-43, SalMaschPw4ü-43, SalonMaschPw 4ü-43, SalonMaschPw4ü-43, SdrMaschPw 4ü-43, SdrMaschPw4ü-43, Berlin, Salonwagen