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Stand: 07.04.2007
´VektorzeichnungSkizze mit Ebenen
Salonberatungswagen Sal Ber 4ü-38b

Wagennummer: 10 253 Bln
Mit dem 10 253 Bln wurde der zweite Beratungswagen in Dienst gestellt, der intern folgerichtig häufig auch als "Beratungswagen II" geführt wurde. Beim Vergleich mit seinem Schwesterwagen 10 252 Bln zeigen sich allein schon äußerlich deutliche Unterschiede (Fenster), was sich beim Betrachten der beiden Grundrisse zu bestätigen scheint.
Und doch haben beide Fahrzeuge mehr miteinander gemein, als es diese Vergleiche nahelegen würden. Tatsächlich beschränken sich die Unterschiede eigentlich 'nur' auf die Anordnung der Abteile sowie das Vorhandensein einiger spezieller Räumlichkeiten, die jedoch auf besondere Anforderungen und Wünsche der Nutzer zurückzuführen sind. So wanderte der Schreibmaschinenraum nun quasi ans andere Ende des Funktionsbereichs (neue Position lag zwischen Funk- und Beraterraum), so daß unter Aufgabe der beiden Schlafabteile und des Schlüsselraums im Anschluß an den Salon ein Kartenraum unter- gebracht werden konnte. Die übrigen aus dem 10 252 Bln bekannten Abteile (Fernschreib-, Fernsprechvermittlungs- und Funkraum) tauchen hingegen auch beim 10 253 Bln auf (abgesehen vom fehlenden Schlüsselraum sogar in gleicher Reihenfolge). Praktisch fand also 'lediglich' ein Tausch von Schlafabteilen und Schlüsselraum (Sal Ber 4ü-38a) gegen einen Kartenraum statt (Sal Ber 4ü-38b).
Nicht minder interessant sind einige kleinere Veränderungen, die vielfach mit den o. g. einhergehen. So fällt der Beraterraum um cirka 200 mm länger aus, als noch beim 10 252 Bln. Und auch die Wand zu den Abteilen weicht in ihrer Gestaltung deutlich vom Schwester- wagen ab, da an dieser Stelle beim 10 253 Bln im Hinblick auf etwaig stattfindende Lagebesprechungen ein Sichtkasten für Kartenmaterial samt dahinter liegendem Stauraum Platz fand. Dagegen entsprachen die übrigen Abteile (abgesehen von teilweise geringfügig variierten Maßen) weitgehend denen des 10 252 Bln, was angesichts des annähernd gleichen Verwendungszwecks auch wenig überrascht.
Bei Stillstand des Zuges konnten wie auch beim 10 252 Bln (so denn entsprechende Anschlüsse vorhanden waren) die Fernschreib- und Telefonleitungen des Wagens mit dem öffentlichen Netz verbunden und außerdem auf der Abteilseite zwei Außenantennen für den Funkverkehr montiert werden. Letztere fanden während der Fahrt wieder im Funkraum Platz.
Konstruktion und Bau oblagen ebenfalls der Waggonfabrik Wegmann & Co. aus Kassel. Nach Unterlagen des RVM wurde der Wagen "fristgerecht" im Herbst 1938 geliefert (die gezeigten Werkfotos aus dem Februar 1939 dürften anläßlich der Durchführung von Nacharbeiten entstanden sein).

Verwendung und Umbauten bis 1945
Vorgesehen war der Wagen für den Oberbefehlshaber der Luftwaffe, der zu diesem Zeitpunkt bereits Hermann Göring hieß. Der 10 253 Bln fungierte dabei ähnlich wie der 10 252 Bln vor allem als Befehls- und Lagewagen, natürlich mit dem kleinen Unterschied, daß er angesichts des Nutzers nicht dem OKH sondern dem Reichsluftfahrtministerium (RLM) zur Verfügung stand. Dieser Aufgabe entsprechend war der Wagen dann auch die meiste Zeit in Görings Hauptzug eingestellt.
Bis zum Überfall auf Polen dürfte der 10 253 Bln allerdings kaum zu den Stammwagen des Göring'schen Zuges gehört haben, da vermutlich eine ähnliche Regelung wie beim 10 252 Bln existierte, die das Mitführen des Wagens erst auf besonderem Antrag der Adjutantur vorsah. Spätestens im September 1939 änderte sich das grundlegend, denn ab da taucht er in allen bekannten Aufstellungen des Zuges "Asien" auf (sind zugegebenermaßen allerdings recht wenige). Er lief dabei immer hinter dem 10 205 Bln, was sich auch nach der Lieferung des 10 215 Bln nicht ändern sollte.
Abgesehen von kleinen Änderungen u. a. an der Nachrichtentechnik, sind keine weiteren Umbauten am Wagen bekannt, was natürlich nicht ausschließt, daß seinerzeit nicht doch welche vorgenommen worden sind.
Wie im Fall des 10 252 Bln handelte es sich auch beim 10 253 Bln eigentlich um einen Privatwagen der Wehrmacht, der aus diesem Grund zumindest offiziell das im Rechteck stehende P hinter der Wagennummer trug, so wird er dann auch in einem Zugzusammenstellungsplan vom Juli 1941 als "10 253 [P]" geführt. Zu einem späteren Zeitpunkt - vermutlich zu gleicher Zeit wie der 10 252 Bln - erhielt der Wagen schließlich eine Nummer aus dem Kreis der Wehrmachtsfahrzeuge zugeteilt: 918 253 [P] Bln.
Bei Kriegsende befand sich der Wagen mit hoher Wahrscheinlichkeit in der us-amerikanischen Besatzungszone, wurde aber nicht von der US Army beschlagnahmt und schon recht bald zum Versuchswagen "B", 700 285 Mü, der Versuchsanstalt München hergerichtet. Er verblieb somit später bei der Deutschen Bundesbahn.

Weiterführende Links
 Die Inneneinrichtung des Wagens
 Übersichtsskizzen
 Der Wagen 10 253 bei der Deutschen Bundesbahn
 Quellenangaben
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Technische Daten
Herstellerwerk Wegmann & Co., Kassel
Baujahr 1938
Beschafft auf Vertrag 03.966 / 59.017
Eigengewicht 64,0 t
Länge über Puffer 24.300 mm
Länge des Wagenkastens (mit Schürzen) 24.000 mm
Länge des Wagenkastens (ohne Schürzen) 23.000 mm
Drehzapfenabstand 16.960 mm
Größte Breite des Wagenkastens 2.854 mm
Wagenhöhe über Schienenoberkante 3.980 mm
Fußbodenhöhe über Schienenoberkante 1.260 mm
Drehgestellbauart Görlitz III schwer 4.Federung
Drehgestellachsstand 3.600 mm
Generatorbauart Tatzlagergenerator ZOG 181
Bremsbauart Kksbr, Hnbr
Heizungsbauart Whzde, Ofen
Beleuchtung Elektrisch
Schlußsignalhalter Aufgesetzt
Dachlüfter Kuckuckslüfter 10 Stück
Einfache Wendlerlüfter 1 Stück
Abteile Vorsalon 1x
Besprechungsraum (Salon) 1x
Kartenraum 1x
Fernschreibraum 1x
Fernsprechvermittlungsraum 1x
Funkraum 1x
Schreibmaschinenraum 1x
Wagenbegleiterraum 1x
Ofenraum 1x
Endabort 1x
Einstiegsraum 1x
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