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Stand: 24.07.2011
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Salonwagen Sal 4ü-38

Wagennummer: 10 208 Bln
Mit diesem Fahrzeug wurde nunmehr der insgesamt sechste reine Salonwagen mit einer LüP von 23,5 Metern und nahezu identischem Grundriß in Dienst gestellt. Gleichzeitig ist es erst der zweite und zugleich letzte von Linke Hofmann für die Reichsbahn gefertigte Wagen dieser Art. Schaut man sich den Grundriß des 10 208 Bln genauer an, wird man einige kleine Unterschiede zu den vorherigen Fahrzeugen feststellen können. So ist der Salon auf Kosten des Vorsalons um 200 mm verlängert worden - ein Merkmal welches sonst nur beim 10 205 Bln anzutreffen ist. Anders als bei diesem Wagen diente die Verlängerung beim 10 208 Bln jedoch nicht zur Unterbringung von Bücherregalen an der Zwischenwand. Die meisten der übrigen Abweichungen dürften alles in allem auf unterschiedliche Philosophien der beteiligten Waggonfabriken zurückzuführen sein, was insbesondere auch auf die Dicke der Zwischenwände zutrifft.
Konstruktion und Bau dieses Wagens oblagen, wie oben bereits beschrieben, den Linke Hofmann Werken in Breslau, geliefert wurde er im August oder September 1938.

Verwendung und Umbauten bis 1945
Dieser Wagen stand vermutlich direkt nach seiner Lieferung, spätestens jedoch ab Mitte September 1938, dem Reichs- verkehrsminister Julius Dorpmüller zur Verfügung und dürfte weitgehend im Einzeldienst unterwegs gewesen sein (vor der Verstaatlichung der Reichsbahn war Dorpmüller Generaldirektor der DRG). Über die verschiedenen Einsätze des Wagens ist allerdings nur wenig bekannt.
Relativ kurz nach Lieferung ergaben sich - wie schon bei einigen der anderen neuen Salonwagen - beim 10 208 Bln einige kleinere Änderungswünsche. Neben dem Versetzen von Schaltern, Handtuchhaltern und Huthaken finden sich in der Liste der bei LHW durchgeführten Arbeiten auch der Einbau eines kleinen Schreibtisches im Salon zwischen Radioschrank und Fenster sowie der "Einbau von Nischen und Laternenstützen entsprechend der neuesten Ausführung". Demnach kann davon ausgegangen werden, daß ursprünglich auch der 10 208 Bln mit auf das Dach aufgesetzten Haltern für die Oberwagenlaternen geliefert worden ist.
Größere Umbauten im Sinn von Veränderungen im Grundriß sind im übrigen nicht bekannt, allerdings beschwerte sich Dorpmüller in den ersten Jahren mehrfach über auftretende Dröhngeräusche und eine allgemein hohe Geräuschkulisse, auch wurde des öfteren die Laufruhe des Wagens kritisiert. Um diesen Problemen auf den Grund zu gehen, wurden vom Heimat- Raw Potsdam mehrere Meßfahrten zur Feststellung von Laufkultur und Geräuschentwicklung angesetzt, bei denen in aller Regel der alte Verkehrsministerwagen (10 396 Bln) als Vergleichsbasis mitgeführt wurde. Obwohl diese Meßfahrten über einen längeren Zeitraum hinweg durchgeführt worden sind, konnte man keinen generellen Nachteil zum alten Ministerwagen feststellen. Vom Lautstärkepegel her ähnelten sich beide Fahrzeuge (mit leichten Vorteilen für den 10 208 Bln), einzig auf schlechtem Oberbau machten sich beim 10 208 Bln minimal stärkere Geräusche bemerkbar, was aber auf bauartbedingte Gründe zurückgeführt wurde (Stahl- bzw. Holzwagen, zwei- bzw. dreiachsige Drehgestelle). Dröhngeräusche wurden während der Meßfahrten allerdings zu keiner Zeit festgestellt und auch die Laufruhe befriedigte auf den Meßfahrten, vorsichtshalber nahm man jedoch eine neuerliche Einstellung der Drehgestelle vor.
Um die Fahrgeräusche weiter zu minimieren, erhielt das Herstellerwerk LHW Anfang 1939 den Auftrag, die Isolation der Wände in Salon, Vorsalon und den beiden einbettigen Schlafräumen zu überarbeiten sowie den Wagenboden insbesondere im Salon besser abzudichten. Da aber von Dorpmüller weiterhin Beschwerden über laute Geräusche vorgetragen worden sind, suchte man bei der Reichsbahn intensiv nach Lösungsmöglichkeiten. Als Ergebnis dieser Überlegungen wurden beispielsweise Radsätze und Innendecke des Wagens mit dem schallhemmenden Material Antivibrin bespritzt (letzteres diente zudem der besseren Isolation der in der Wagendecke verlaufenden Rohrleitungen). In den Jahren 1941 und 1942 wurde gar die Konstruktion von gummigefederten Radsätzen vorangetrieben, allerdings dürften diese Bemühungen kaum noch über das Versuchsstadium hinausgekommen sein. Jedenfalls fehlen bislang Belege für einen (Betriebs-) Einsatz dieser Radsatzbauart bei den beiden betroffenen Wagen 10 208 Bln und 10 213 Bln.
Bei Kriegsende stand der Wagen vermutlich in der US Zone. In der unmittelbaren Nachkriegszeit sind viele der Einrichtungs­gegen­stände abhanden gekommen, weswegen ein Einsatz für die Alliierten unterblieben ist. 1948/49 wurde der Wagen im Raw Hannover-Leinhausen umgebaut und anschließend dem Direktor der Verwaltung für Verkehr im Vereinigten Wirtschaftsgebiet, zu diesem Zeitpunkt Prof. Dr. Edmund Frohne, zur Verfügung gestellt. Der Wagen gelangte so zur Deutschen Bundesbahn.

Weiterführende Links
 Die Inneneinrichtung des Wagens
 Übersichtsskizzen
 Einsätze bei den Alliierten Streitkräften
 Der Wagen 10 208 bei der Deutschen Bundesbahn
 Zur Übersicht der heute noch vorhandenen Neubausalonwagen
 Quellenangaben
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Technische Daten
Herstellerwerk LHW Breslau
Baujahr 1938
Beschafft auf Vertrag 03.966 / 59.011
Eigengewicht 62,15 t
Länge über Puffer 23.500 mm
Länge des Wagenkastens (mit Schürzen) 23.200 mm
Länge des Wagenkastens (ohne Schürzen) 22.200 mm
Drehzapfenabstand 16.180 mm
Größte Breite des Wagenkastens 2.880 mm
Wagenhöhe über Schienenoberkante 3.980 mm
Fußbodenhöhe über Schienenoberkante 1.260 mm
Drehgestellbauart Görlitz III schwer 4.Federung
Drehgestellachsstand 3.600 mm
Generatorbauart Tatzlagergenerator ZOG 181
Bremsbauart Kksbr, Hnbr
Heizungsbauart Whzde, Ofen
Beleuchtung Elektrisch
Schlußsignalhalter (nach Änderung 1938/39) In Dachnischen versetzt
Dachlüfter Doppelte Wendlerlüfter 7 Stück
Einfache Wendlerlüfter 3 Stück
Abteile Vorsalon 1x
Salon 1x
Abteile einbettig 2x
Mittelaborte mit gemeins. Badewanne 2x
Abteile zweibettig 2x
Wagenbegleiterraum 1x
Ofenraum 1x
Endabort 1x
Einstiegsraum 1x
Verkehrsministerwagen, 10208 Bln, Sal4ü-38, Salon4ü-38, Salon 4ü-38, Berlin, Salonwagen