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Stand: 06.04.2007
´VektorzeichnungSkizze mit Ebenen
Salonwagen Sal 4ü-37

Wagennummer: 10 205 Bln
Unter dem Titel "Dienstzug 1937" entstanden im Jahr 1937 insgesamt dreizehn Wagen, unter denen sich auch drei reine Salonwagen befanden. Jedes dieser drei Fahrzeuge war wiederum fest für ein Mitglied der Regierung vorgesehen, so daß in der Planungs- und Bauphase besondere Wünsche der jeweiligen Person berücksichtigt werden konnten. Resultat waren drei Wagen, welche sich trotz ihres im Grunde sehr ähnlichen Grundrisses in kleinen Feinheiten unterschieden, wobei der 10 206 Bln vielleicht die größten konstruktiven Abweichungen aufzuweisen hatte.
Als Nutzer des 10 205 Bln war Göring auserkoren worden. Die Besonderheiten des Wagens - abgesehen von der sowieso bei jedem Wagen andersartig ausgeführten Ausstattung mit Furnieren und Stoffen - betreffen überwiegend Salon und Vorsalon. Während bei den anderen beiden Fahrzeugen die Wand zwischen diesen beiden Räumen zusammengeklappt werden konnte, um so einen größeren Raum zu schaffen, wies der 10 205 Bln an dieser Stelle zwei fest installierte Bücherregale mit einem dazwischen liegendem Durchgang auf. Ein Einrichtungsdetail, welches sich auch im späteren 1. Salonwagen Görings - 10 215 Bln - wiederfinden läßt.
Gleichzeitig war der Wagen als einziger der drei beschafften Fahrzeuge mit einem Schreibtisch ausgerüstet, der im Salon an der Wand zum 1. Schlafraum Platz fand. Hierfür wurde wiederum auf den Radioschrank verzichtet, der sich normalerweise an eben jener Stelle befand (was nicht heißen soll, daß kein Radio vorhanden war). Als Sitzgelegenheit für den Schreibtisch diente ein Sessel mit hoher Rückenlehne.
Als ungewöhnlich kann auch die Ausführung des im Zentrum des Salons aufgestellten Tischs gelten. Er entsprach dem kleinen runden Tisch im Vorsalon und war mit vier bequemen Sesseln umstellt. Beide Tische konnten zudem mittels einer Zwischenplatte zu einem größeren, ovalen Exemplar zusammengesetzt werden.
Die Badewanne, zwischen den beiden Aborten in der Mitte des Wagens angeordnet, war als sogenannte Sitzbadewanne ausgeführt worden, so daß zwischen den Schlafräumen 1 und 2 noch ein kleiner Gang angeordnet werden konnte. Diese Anordnung ist bereits aus dem Wagen 10 204 Bln bekannt und war (teilweise in abgeänderter Form) bei der überwiegenden Zahl aller mit Badewanne ausgerüsteten Salonwagen anzutreffen.
Konstruktion und Bau dieses Wagens oblagen der Waggonfabrik Wegmann & Co. aus Kassel, geliefert wurde er schließlich im September 1937.

Verwendung und Umbauten bis 1945
Nach Übergabe des 10 205 Bln an die Deutsche Reichsbahn wurde er von Hermann Göring als persönlicher Salonwagen genutzt, eingestellt war er in dessen Sonderzug "Asien". Allerdings sollte dieser Zustand nur etwa drei Jahre andauern, denn zu diesem Zeitpunkt kam bereits sein neuer Salonwagen 10 215 Bln zur Ablieferung, allerdings verblieb der 10 205 Bln im Sonderzug, da er von diesem Zeitpunkt an der Familie Görings zur Verfügung stand. Die beiden Sonderwagen wurden dabei so in den Zug eingestellt, daß sie Salon an Salon gekuppelt waren, wobei sogar kurze Zeit später ein Teppich zwischen den zwei Fahrzeugen verlegt wurde(!). Prinzipiell läßt sich festhalten, daß der Wagen diese Funktion als "Familienfahrzeug" bis zum Kriegsende behielt.
Am 10 205 Bln wurden während der Jahre bis 1945 mehrere kleine Umbauten vorgenommen, von denen die meisten jedoch recht einfacher Natur waren. Mitte 1938 wurden beispielsweise einige Änderungen am Schlafraum 2 vorgenommen, dies betraf unter anderem die Verbreiterung des Bettkastens sowie die Erneuerung der Matratze. Daneben erfolgten auch einige Umbauten an Heizungsverkleidung, Klapptisch und Nachtschränkchen. Bemerkenswert an diesen Änderungen ist vor allem die Erneuerung der Matratze nach nur (maximal) neun Monaten Betriebszeit.
Kurze Zeit später - Anfang 1939 - folgten dann ähnliche Umbaumaßnahmen im Schlafraum 1, die wie bereits zuvor bei Wegmann & Co. in Kassel ausgeführt wurden.
Nachdem im Herbst 1940 der neue Dienstwagen Görings zur Verfügung stand und der 10 205 Bln nun für dessen Familie zum Einsatz kam, wurde alsbald der Wunsch geäußert, den Schlafraum 2 zu vergrößern. Um dies zu erreichen, sollte das angrenzende Abort geopfert werden. Sowohl von Seiten der Deutschen Reichsbahn als auch von Seiten der Firma Wegmann wurde jedoch darauf hingewiesen, daß bei einem solchen Umbau umfangreiche Änderungsarbeiten notwendig sein würden, da zwischen den beiden Räumen der Luftkanal angeordnet war und zudem der im Dach untergebrachte Wasserbehälter betroffen gewesen wäre. Daraufhin legte Wegmann im April 1941 insgesamt vier verschiedene Entwürfe vor, wobei nur die ersten beiden Varianten mit der zuvor gewünschten Raumanordnung übereinstimmten. Die dritte Variante sah eine Zusammenlegung von 1. Schlafraum und angrenzendem Mittelabort vor, so daß eine Verlegung des Luftkanals umgangen werden konnte. Variante vier sah hingegen eine Zusammenlegung der beiden Schlafräume 2 und 3 vor, was ohne größere Mühen möglich gewesen wäre, dann jedoch einen Verlust an Passagierkapazität bedeutet hätte. In einer Stellungnahme wurde von der Deutschen Reichsbahn zudem angemerkt, daß man den Aufwand für die Realisierung der ersten beiden Varianten für nicht vertretbar hielt. Vermutlich aufgrund des recht großen Umfangs der Umbaumaßnahmen wurde letztendlich von einer Realisierung der Pläne abgesehen.
Bei Kriegsende befand sich der Wagen in der us-amerikanischen Besatzungszone und wurde bald durch die entsprechenden Militärbehörden beschlagnahmt. Die Rückgabe an die Deutsche Reichsbahn des vereinigten Wirtschaftsgebiets erfolgte am 2. Juli 1949.

Weiterführende Links
 Die Inneneinrichtung des Wagens (mit weiteren Bildern)
 Übersichtsskizzen
 Einsätze bei den Alliierten Streitkräften
 Der Wagen 10 205 bei der Deutschen Bundesbahn
 Zur Übersicht der heute noch vorhandenen Neubausalonwagen
 Quellenangaben
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Technische Daten
Herstellerwerk Wegmann & Co., Kassel
Baujahr 1937
Beschafft auf Vertrag 03.966 / 59.003
Eigengewicht 63,8 t
Länge über Puffer 23.500 mm
Länge des Wagenkastens (mit Schürzen) 23.200 mm
Länge des Wagenkastens (ohne Schürzen) 22.200 mm
Drehzapfenabstand 16.180 mm
Größte Breite des Wagenkastens 2.880 mm
Wagenhöhe über Schienenoberkante 3.980 mm
Fußbodenhöhe über Schienenoberkante 1.260 mm
Drehgestellbauart Görlitz III schwer 4.Federung
Drehgestellachsstand 3.600 mm
Generatorbauart Tatzlagergenerator ZOG 180
Bremsbauart Kksbr, Hnbr
Heizungsbauart Whzde, Ofen
Beleuchtung Elektrisch
Schlußsignalhalter Aufgesetzt
Dachlüfter Doppelte Wendlerlüfter 8 Stück
Einfache Wendlerlüfter 1 Stück
Abteile Vorsalon 1x
Salon 1x
Abteile einbettig 2x
Mittelaborte mit gemeins. Badewanne 2x
Abteile zweibettig 2x
Wagenbegleiterraum 1x
Ofenraum 1x
Endabort 1x
Einstiegsraum 1x
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