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Stand: 06.04.2007
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Salonwagen Salon 4ü-36

Wagennummer: 10 204 Bln
Im Jahr 1936 entstand mit dem Wagen 10 204 Bln der letzte reine Salonwagen, der in seiner Form den Schnellzugwagen der Bauart 1935 entsprach. Wie schon beim 10 203 Bln betrug die Länge über Puffer nunmehr 23,5 Meter, gleichzeitig fiel auch das bei den ersten beiden Wagen vorhandene dritte Zweibett-Abteil weg. Den dadurch gewonnenen Platz benötigte man vor allem für die Anordnung von zwei WCs mit gemeinsamer Sitzbadewanne zwischen den beiden einbettigen Abteilen. Diese Anordnung sollte später Vorbild für die Raumaufteilung einiger anderer Salonwagen werden, so z. B. von 10 205 Bln und 10 208 Bln. Daneben weist der Wagen auch einige kleine Besonderheiten auf, die sich vor allem in der Fensteranordnung widerspiegeln. So waren die Fenster der Zwischenaborte zwar wie üblich 800 mm breit, deren Pendants auf der Gangseite jedoch 1000 mm, was beim Betrachten der beiden Seiten doch recht ungewöhnlich anmutet. Daneben überrascht auch die Breite des Endabortfensters, denn hier kamen sowohl auf der Gang- als auch auf der Abteilseite 1000 mm breite Exemplare zu Einbau, was so sonst nur noch beim 10 203 Bln zu finden ist. Und auch die Fenster des Salons sind, zumindest für die 23,5 m langen Wagen eine kleine Besonderheit, denn mit 1200 mm fielen sie um 100 mm breiter aus als die Versionen der anderen Wagen (einzige Ausnahme bildet in diesem Fall der 10 206 Bln).
Konstruktion und Bau dieses Wagens oblagen der Waggonfabrik Gebrüder Credé aus Kassel-Niederzwehren, die Auslieferung war ursprünglich für den November/Dezember 1935 vorgesehen (bei 10 203 Bln ursprünglich September/Oktober 1935), es ist aber nicht klar, ob dieser Termin auch eingehalten werden konnte (siehe auch Verzögerungen beim 10 203 Bln). Bekannt sind allerdings Meßfahrten des Versuchsamts Grunewald von Ende Januar 1936 mit dem Rheingold-Wagen SB 4ük-29, 10 717 Köl, dem zu diesen Zeitpunkt die Drehgestelle des 10 204 Bln untergesetzt waren. Die erste bislang (!) nachweisbare Meßfahrt des fertigen Wagens 10 204 Bln fand hingegen erst am 11.2.1936 von Kassel nach Warburg und zurück statt. Die gewählte Strecke legt die Vermutung nahe, daß sich der Wagen Anfang Februar 1936 noch (Fertigstellung) oder schon wieder (Nacharbeiten) bei seinem Hersteller Credé befand.

Verwendung und Umbauten bis 1945
Nachdem der 10 204 Bln der Reichsbahn übergeben worden war, löste er offenbar anfangs den 10 202 Bln als Reservewagen Hitlers ab, darauf läßt zumindest eine Notiz von Anfang 1937 schließen. In einigen Fällen stand der Wagen aber auch anderen Mitgliedern der Reichsregierung zur Verfügung, so beispielsweise in der Zeit vom 21.02. bis 24.02.1937 dem Außenminister Konstantin Freiherr von Neurath auf einer Reise nach Wien (und zurück). Recht interessant ist dabei, daß die Gestellung des Wagens auf besonderen Wunsch Hitlers erfolgte, was wohl notwendig war, da dann an diesen vier Tagen kein Ersatzwagen für Hitler vorhanden war (10 201 Bln und 10 202 Bln waren zu jenem Zeitpunkt ebenfalls in Verwendung).
Nachdem im September 1937 der neue Wagen Hitlers in Betrieb gegangen war, entfiel für den 10 204 Bln die Rolle des Ersatzwagens, woraufhin er vermutlich Rudolf Heß, Reichsminister ohne Geschäftsbereich und Stellvertreter Hitlers in der NSDAP, überlassen wurde. Belegt ist diese Zuordnung zumindest für die Monate November und Dezember 1937, spätestens mit Lieferung des 10 209 Bln im April 1938 dürfte dieses Intermezzo jedoch beendet gewesen sein.
Gegen Endes des Jahres 1938 nahm man beim 10 204 Bln schließlich einen bereits Ende September 1937 (!) beschlossenen Umbau in Angriff, dem später auch die Wagen 10 201 Bln bis 10 203 Bln unterzogen werden. Ziel des bei seinem Lieferwerk Gebrüder Credé in Kassel-Niederzwehren durchgeführten Umbaus war eine weitgehende äußerliche Angleichung an die ab 1937 beschafften Salonwagen. Um dies zu erreichen, wurden neue windschnittige Kopfsegmente montiert, die vorhandenen Drehgestelle bei LHW in Breslau mit vierter Federung ausgerüstet und außerdem die Inneneinrichtung teilweise überholt. Nachdem der Wagen bereits am 11. November 1938 bei Credé eingegangen war, zogen sich die Arbeiten aufgrund der verspäteten Lieferung des neuen Schaltschranks und der umgerüsteten Drehgestelle (beides erst am 18.01. in Niederzwehren eingetroffen) bis zum 24. Januar 1939 hin. Vom 25. Januar bis zum 03. Februar weilte der 10 204 Bln dann zur bahnamtlichen Untersuchung, Abnahme und Beseitigung kleinerer Mängel im Raw Potsdam. Etwas schleierhaft ist nach wie vor, warum ausgerechnet das jüngste Fahrzeug als "Prototyp" für den Umbau herhalten mußte, obwohl ursprünglich die beiden erstgelieferten Wagen 10 201 Bln und 10 202 Bln den Anfang machen sollten.
Über die Zeit direkt nach dem Umbau fehlen leider jegliche Angaben zum Einsatz des 10 204 Bln, allerdings ist bekannt, daß der Wagen spätestens ab August 1939 zum festen Kern von Hermann Görings Sonderzug "Asien" zählte und mit ihm somit ständig zwei bzw. nach Fertigstellung des 10 215 Bln sogar drei Salonwagen neuester Bauart in "Asien" eingestellt waren, wenngleich der 10 204 Bln dabei jedoch nicht Göring selbst zur Verfügung stand. Mit recht großer Wahrscheinlichkeit verblieb der Wagen bis Kriegsende in diesem Zugverband, gesichert ist dies jedoch nur für den Zeitraum bis 1942/43.
Gegen diese Vermutung spricht allerdings, daß der 10 204 Bln bei Kriegsende von der British Army beschlagnahmt wurde und fortan der Britischen Militärregierung zur Verfügung stand, während der Hauptteil der anderen Wagen Görings bei Kriegsende in der us-amerikanischen Besatzungszone aufgefunden wurde. Es kann also nicht gänzlich ausgeschlossen werden, daß der 10 204 Bln zwischen 1943 und 1945 aus dem Zugverband "Asien" herausgelöst wurde.
Anfang der fünfziger Jahre erfolgte schließlich die Rückgabe des Wagens an die Deutsche Bundesbahn.

Weiterführende Links
 Die Inneneinrichtung des Wagens
 Übersichtsskizzen
 Einsätze bei den Alliierten Streitkräften
 Der Wagen 10 204 bei der Deutschen Bundesbahn
 Quellenangaben
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Technische Daten
Herstellerwerk Gebrüder Credé, Kassel-Niederzw.
Baujahr 1935/36
Beschafft auf Vertrag 03.966 / 26.366
Eigengewicht (vor Umbau 1938) 56,3 t
Eigengewicht (nach Umbau 1938) 59,9 t
Länge über Puffer 23.500 mm
Länge des Wagenkastens (ohne Schürzen) 22.200 mm
Drehzapfenabstand 15.860 mm
Größte Breite des Wagenkastens 2.880 mm
Wagenhöhe über Schienenoberkante 3.935 mm
Fußbodenhöhe über Schienenoberkante 1.245 mm
Drehgestellbauart (vor Umbau 1938) Görlitz III schwer
Drehgestellbauart (nach Umbau 1938) Görlitz III schwer 4.Federung
Drehgestellachsstand 3.600 mm
Generatorbauart (vor Umbau 1938) Generator mit Kettenradantrieb Dps
Generatorbauart (nach Umbau 1938) Tatzlagergenerator ZOG 181
Bremsbauart Kksbr, Hnbr, Hardy-Leitung
Heizungsbauart Whzde, Ofen
Beleuchtung Elektrisch
Schlußsignalhalter (vor Umbau 1938) Angesetzt
Schlußsignalhalter (nach Umbau 1938) In Dachnischen verlegt
Dachlüfter Einfache Wendlerlüfter ? Stück
Abteile Vorsalon 1x
Salon 1x
Abteile einbettig 2x
Mittelaborte mit gemeins. Badewanne 2x
Abteile zweibettig 2x
Wagenbegleiterraum 1x
Ofenraum 1x
Endabort 1x
Einstiegsraum 1x
10204 Bln, Salon4ü-36, Berlin, Salonwagen