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Quellenangaben Ι Stand: 13.12.2007
Bezeichnung der Salonwagen (Teil 2)

Veränderungen bei Gattung und Bauart ab 1937
Mit Indienststellung der Salonwagen des "Dienstzuges 1937" führte man gleich mehrere Neuerungen ein, die allerdings nur teilweise offiziellen Charakter besaßen. Am auffälligsten sind sicherlich jene Gattungszeichen, die die Funktion der einzelnen Fahrzeuge näher eingrenzen und die man vielleicht als 'Hilfsgattungszeichen' bezeichnen könnte. Interessanterweise richtete man sich bei den Salon-Schlaf- und Salon-Speisewagen - anders als im Fall der Salon-Gepäckwagen - nicht nach den bereits vorhandenen Hauptgattungszeichen ("WL" und "WR"), sondern verwendete statt dessen lieber leicht abgewandelte ("L" und "R") bzw. vollständig neue Kürzel ("Begl"). Allerdings muß festgehalten werden, daß die Reichsbahn hier nicht immer konsequent vorging und so finden sich im eigenen Schriftverkehr ab und an auch die nicht ganz korrekten Gattungsangaben "Salon WL 4ü" und "Salon WR 4ü".
Ähnliches gilt wohl auch für das Gattungszeichen "Begl", schaffte es doch die ansonsten nicht übliche Variante "Bgl" sogar auf das entsprechende Skizzenblatt. Da die Wagen seinerzeit mit "Sal Begl 4ü" beschriftet worden sind und sich dies auch in den Unterlagen der Reichsbahn widerspiegelt, wird an dieser Stelle immer von der Bauart "Sal Begl 4ü-37" die Rede sein.
Zwischen 1937 und 1944 wurden im Zusammenhang mit dem Hauptgattungszeichen "Salon" folgende 'Hilfsgattungszeichen' eingeführt (keines dieser Gattungszeichen fand Eingang in die DV 409!):

As -  [ab 1939] Aussichtswagen
Bad -  [ab 1939] Badewagen
Begl -  [ab 1937] Begleiterwagen (Schlafwagen)
Ber -  [ab 1938] Beratungswagen (Befehlswagen)
Büro -  [ab 1944] Bürowagen (von Salonwagen losgelöst vermutlich bereits seit 1939/40 verwendet)
L -  [ab 1937] Gästeschlafwagen
Masch -  [ab 1937] Maschinenwagen (Wagen mit Stromerzeugungsanlage)
N -  [ab 1939] Nachrichtenwagen (für Nachrichtenübermittlung)
Presse -  [ab 1937] Pressewagen (für Nachrichtenübermittlung und Propaganda)
Pw -  [ab 1937] Gepäckwagen bzw. Wagen mit Gepäckabteil
-  [ab 1938] im Kontext "Pw 4ü(F)": Kraftfahrzeug-Verladewagen
R -  [ab 1937] Speisewagen
W -  [ab 1939/41] Trinkwasserwagen (kam aufgrund Stornierung der Fahrzeuge nicht zum Einsatz).

Ebenfalls aus dem Jahr 1937 stammt die verkürzte Schreibweise des Hauptgattungszeichens "Salon" als "Sal". Dieses Kürzel fand zwar nie offiziell Eingang in die Vorschriften der Deutschen Reichsbahn (DV 409 und DV 939d), wurde aber ab Herbst 1937 sowohl im Anschriftenfeld (wenigstens) der Regierungswagen als auch in einem Teil der Reichsbahnakten verwendet (letzteres war u. a. abhängig von der ausstellenden Dienststelle).

Abschaffung der Bezeichnung "Salonwagen"
Mit einer Verfügung des Reichsverkehrsministeriums (RVM) aus dem November 1941 begann schließlich die schrittweise Abschaffung des Begriffs "Salonwagen" und damit verbunden auch des Hauptgattungszeichens "Salon". Für die Dienst- und Revisionswagen des Reichsverkehrsministers, der Reichsbahndirektionspräsidenten und Direktionsmitglieder sollte von nun an die Bezeichnung "Dienstwagen", abgekürzt "Dienst", benutzt werden. Kurze Zeit später bezog man ausdrücklich auch den Salonwagen des Staatssekretärs im RVM in diese Regelung mit ein (10 375 Bln).
Auf eine offensichtlich ebenfalls diskutierte Änderung bei den Salonwagen der Reichsregierung sowie den frei vermietbaren Salon- und Krankensalonwagen verzichtete man hingegen "mit Rücksicht auf die Verankerung dieser Bezeichnungen in den Internationalen Tarifen".
Nicht desto trotz waren von dieser Maßnahme die allermeisten der noch im Einsatz befindlichen Länderbahnfahrzeuge betroffen, einzig bei den Wagen 10 345 Bln, 10 346 Bln, 10 348 Köl, 10 356 Dre, 10 383 Bln, 10 387 Bln, 10 389 Frt, 10 392 Bln, 10 393 Han und 10 396 Bln (sowie bei einigen ehemals österreichischer Wagen) blieb aufgrund der oben erwähnten Kriterien vorläufig alles beim alten.
Ob der 10 208 Bln in seiner Funktion als Salonwagen des Verkehrsministers tatsächlich jemals die Gattungsbezeichnung "Dienst 4ü" getragen hat, ließ sich bislang nicht zweifelsfrei klären. Es gibt jedoch Hinweise darauf, daß er entgegen der oben genannten Verfügung wie die übrigen Regierungswagen behandelt wurde.
Im Juni 1942 folgte eine zweite Verfügung, mit der für die bis dahin noch übriggebliebenen "Salonwagen" neue Bezeichnungen eingeführt wurden. Die Salonwagen der Reichsregierung waren demnach künftig als "Sonderreisewagen", kurz "Sdr", und die Krankensalonwagen als "Sonderkrankenwagen", abgekürzt "Sdrkr" (siehe Anmerkung unterhalb der nachstehenden Tabelle), zu bezeichnen. Die etwas mißverständliche Formulierung der Verfügung führte im August 1942 zur Klarstellung, daß auch "die dem öffentlichen Verkehr zur Verfügung stehenden" Salonwagen als "Sonderreisewagen" zu bezeichnen wären (was damals jedoch nur noch die Wagen 10 356 Dre und 10 393 Han betraf).
Die verschiedenen Hauptgattungszeichen der Salonwagen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

Zeitraum Dienstsalonwagen / Revisionswagen Vermietbare Salonwagen Salonwagen der Reichsregierung Krankensalonwagen
offiziell inoffiziell offiziell inoffiziell offiziell inoffiziell offiziell inoffiziell
04.1920 - 09.1937 Salon Rev Wag 1) Salon A 2) Salon - Salon -
09.1937 - 11.1941 Salon Rev Wag 1) Salon Sal Salon Sal Salon Sal
11.1941 - 06.1942 Dienst Rev Wag 1) Salon Sal Salon Sal Salon Sal
ab 06.1942 Dienst Rev Wag 1) Sdr - Sdr - Sdr 3) -

1) In einigen Schreiben der Reichsbahn findet sich auch die verkürzte Angabe "Rev" (z. B.: Rev 4ü).
2) Es existieren mindestens zwei Skizzenblätter, auf denen die entsprechenden Salonwagen ursprünglich als "A 4ü" bezeichnet wurden (später korrigiert): Salon 4ü Sa 01a (A 4ü Sa 01, ohne "a"!) und Salon 4ü Sa 13 (A 4ü Sa 13).
Eventuell ist dies ein Überbleibsel aus der Länderbahnzeit.
3) Der Wortlaut der Verfügung aus dem Juni 1942 ist mißverständlich und kann auch dahin gehend interpretiert werden, daß für die Krankensalonwagen das neue Hauptgattungszeichen "Sdrkr" eingeführt werden sollte. Der Entwurf für das erste Berichtigungsblatt der DV 409, Ausgabe 1942, von Januar 1943 läßt jedoch erkennen, daß nach wie vor eine Kombination aus dem (neuen) Hauptgattungszeichen "Sdr" und dem Nebengattungszeichen "kr" vorgesehen war (z. B. Sdr 4ükr Pr 08/29).

Auf diesen Webseiten verwendete Schreibweisen und Konventionen
In den überlieferten Unterlagen der Deutschen Reichsbahn aus der Zeit zwischen 1920 und 1945 finden sich - an der einen oder anderen Stelle ist es bereits angeklungen - viele verschiedene Schreibweisen für ein und die selbe Bauart. Dies bleibt nicht bloß auf die Verwendung offizieller und inoffizieller Gattungszeichen beschränkt, sondern drückt sich auch in der unterschiedlichen Anwendung von Groß-/Kleinschreibung und Leerzeichensetzung aus. Es war daher unerläßlich, für diese Webseiten eine einheitliche Schreibweise festzulegen, die ich im folgenden kurz darstellen möchte:
  • als Hauptgattungszeichen wird i. d. R. die offizielle Bezeichnung verwendet, eine Ausnahme bilden im Zeitraum September 1937 bis Juni 1942 die Neubauwagen (Verwendung von "Sal" an Stelle von "Salon")
  • zwischen "Sal"/"Sdr" und den 'Hilfsgattungszeichen' wird immer ein Leerzeichen eingefügt (Sal Pw...)
  • sind mehrere 'Hilfsgattungszeichen' vorhanden, wird dazwischen ebenfalls ein Leerzeichen gesetzt (Masch Pw...)
  • zwischen Haupt- bzw. 'Hilfsgattungszeichen' und Achszahl wird ein Leerzeichen eingefügt (Salon 6ü...)
  • die Nebengattungszeichen "k" und "kr" werden klein geschrieben und ohne Leerzeichen hinter die Kombination aus Achszahl und Übergangsbauart gesetzt (Salon 4ükr...)
  • nur bei ehemaligen Länderbahnwagen: zwischen der Gattung, dem Kürzel für die Herkunft und der Jahreszahl wird jeweils ein Leerzeichen eingefügt (Salon 4ü Bay 03)
  • die kleinen Buchstaben für die Unterscheidung verschiedener Bauarten mit der gleichen Jahreszahl werden nicht hochgestellt und auch nicht unterstrichen (Salon 4ü Pr 04a).
Diese mit Bedacht festgelegten Grundsätze entsprechen - insbesondere in den ersten vier Punkten - nicht immer den heute üblichen Regeln, richten sich aber weitgehend nach den seinerzeit am häufigsten benutzten Formen. Nichts desto trotz lassen sich in den Unterlagen der Reichsbahn für jeden dieser Punkte abweichende Varianten finden. Als Beispiel mögen einige Bezeichnungen dienen, die in dieser Form auf den offiziellen Skizzenblättern der Reichsbahn zu finden sind: "Salon4Pr88/06b", "Salon 4ü Kr Sa 00", "Salon 4ü kr  Bay 07/31", "Salon4ükr Pr08/33". Zurück zu Teil 1 (Anfänge und Situation bis 1937)...

Weiterführende Links
 Bezeichnung der Salonwagen Teil 1: Anfänge und Situation bis 1937
 Nummerung der Salonwagen
 Anstrich und Erscheinungsbild der Salonwagen (2 Teile)
 Zurück zur Übersicht "Salon- und Sonderreisewagen"
 Zurück zur Übersicht der Neubausalonwagen
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 Quellenangaben