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Stand: 24.07.2011
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Salonwagen 10 208

Neubeginn ab 1951
Unter den von der Deutsche Bundesbahn übernommenen Fahr­zeugen befand sich auch der ehemalige Salonwagen des Reichs­ver­kehrs­ministers, 10 208. Im Salonwagenpark der DB dürfte er in den ersten Jahren aufgrund seiner 1948 veränderten und noch bis 1958 beibehaltenen Inneneinrichtung ein wenig als Sonderling gegolten haben. Am stärksten fiel dabei ohne Frage die Neugestaltung im Bereich des ersten Schlafraums und der beiden angrenzenden Aborte ins Auge. So zeigte der Grundriß von 1951 (oder besser 1948) einen deutlich vergrößerten ersten Schlafraum, der nun auch als Arbeitszimmer genutzt werden konnte. Dafür mußten im Gegenzug sowohl das erste Abort als auch die Badewanne aufgegeben werden, wobei als Ersatz für die nun nicht mehr vorhandene Bademöglichkeit im zweiten WC eine Dusche untergebracht wurde, die sowohl vom Abort als auch vom Seitengang aus betreten werden konnte. Weitere Veränderungen wurden u. a. bei der Trennwand zwischen Salon und Vorsalon (um 200 mm versetzt), den beiden zweibettigen Abteilen (Umgestaltung der Zwischenwand) und dem Begleiterraum (Verbreiterung zu Lasten des Endaborts) vorgenommen.
Die erste Lackierung unter Regie der Bundesbahn dürfte recht schlicht ausgefallen sein: grüner Wagenkasten mit schwarzen Zierlinien, silbergrauem Dach und schwarzem Untergestell. Waren die Seitenwandflächen anfangs noch weitgehend nackt, wurde mit Einführung des DB-Kekses ein solcher auch an beiden Seiten des 10 208 angebracht. In diesem Zustand stand er recht bald der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn (HVB) zur Verfügung, die ihn vermutlich hauptsächlich für Fahrten des Vorstands einsetzte. Zu diesem Zweck wurde der Wagen auch nach Frankfurt (Main) umbeheimatet.

Umbauten 1958 und 1962
Gerade einmal zehn Jahre nach seinem letzten größeren Umbau erfolgte bereits die nächste Umgestaltung und wieder sollten es umfangreiche Arbeiten werden. Grob betrachtet, wurde dabei nur der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt, schaut man jedoch ein wenig genauer hin, so sind viele kleine Details zu entdecken, die schnell zur Erkenntnis führen, daß seinerzeit wohl einige grundlegende Maßnahmen stattfanden. Nicht nur, daß sich die Wandstärken und teilweise auch die Raumlängen verändert hatten, es scheint auch so, daß die Wand zwischen Seitengang und Abteilen ein klein wenig in Richtung des Gangs versetzt wurde (also eine Vergrößerung der Räume).
Neben der Wiederherstellung der alten Raumanordnung mit zwei Mittelaborten und dazwischenliegender Sitzbadewanne wanderte auch die Trennwand zwischen Vorsalon und Salon abermals, diesmal jedoch in die andere Richtung, so daß der 10 208 von nun an eher einen zweiten Einstiegsraum als einen echten Vorsalon besaß. Ein weiterer markanter Unterschied zum Vorzustand zeigt sich in der Einrichtung des (ehemal.) Wagenbegleiterraums, der nun vornehmlich als Küche Verwendung fand. Daneben erhielten die beiden zweibettigen Abteile ihre z-förmige Zwischenwand wieder.
Aber nicht nur an der Inneneinrichtung kamen Änderungen zum tragen, vielmehr wurde der Wagen auch technisch grundlegend modernisiert. Neben einer Klimaanlage kamen so beispielsweise statt der anfangs vorhandenen Wendlerlüfter nun Kuckuckslüfter zum Einbau, auch wurde eine neue Dachantenne montiert.
Ein weiterer Umbau fand schließlich im Jahr 1962 statt, von dem diesmal jedoch hauptsächlich die Wagenenden betroffen waren - anstelle der bislang vorhandenen Faltenbälge bekam der 10 208 nun Gummiwülste. Im Gegensatz zu den "normalen" Schürzenwagen der Deutschen Bundesbahn erhielten die Salonwagen hierfür jedoch keine profanen Ansatzkästen zur Aufnahme der Gummiwülste, sondern vielmehr wurden die Wagenenden dafür komplett verschlossen. Eine Methode, die außer bei den Salonwagen sonst nur noch bei wenigen anderen Schürzenwagen Anwendung fand (u. a. beim Gesellschaftswagen 10 832, ex. Sal Bad 6ü-39, 10 281 Bln).

Weitere Umbauten und Umzeichnungen
In dieser Weise hergerichtet versah der 10 208 weiterhin seinen Dienst für die HVB, konnte zu dieser Zeit jedoch auch bereits (anders als die Wagen der Bundesregierung) von Privatpersonen angemietet werden. Eine ähnliche Konstanz ergab sich in den ersten Jahren nach dem Umbau 1958 auch bei Anstrich und Beschriftung.
An dieser Situation änderte sich erst im Jahr 1966 grundlegendes, als die Speisewagen der DSG von der Deutsche Bundesbahn übernommen wurden: Um die zum Fahrzeugpark neu hinzugekommenen Fahrzeuge in das Nummernsystem der DB eingliedern zu können, wurde die bisherige DSG-Nummer zwischen erster und zweiter Stelle mit einer zusätzlichen "0" versehen (also z. B. 1222 -> 10222). Um Kollisionen mit dem Nummernbereich der neuen Wagen zu vermeiden, erhielten die Salonwagen daraufhin ihrerseits neue Nummern, die sich aus der Addition der alten Nummer (z. B. 10 222) mit dem Wert 100 ergab (hier also 10 322). Ende März 1966 wurde der 10 208 Ffm somit zu 10 308 Ffm umgezeichnet.
Allerdings sollte die neue Nummer nicht lange Bestand haben, da im späteren Verlauf des Jahres 1966 mit der Einführung des Computernummernsystems gleich die nächste Umwälzung stattfand. Von nun an trug der ehemalige 10 208 vermutlich die Bezeichnung Salonüge 801, 51 80 89-40 308-4. Doch auch dies sollte sich recht bald wieder ändern, denn mit dem Anbau von Drehgestellen der Bauart Minden-Deutz am Anfang der siebziger Jahre wurde zugleich die Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h angehoben und damit änderte sich auch die Bezeichnung des Wagens in Salonüge 801, 51 80 89-80 308-5. Kurze Zeit später, im Jahr 1976, ergab sich dann gleich die nächste Änderung - zumindest bei der Gattungsbezeichnung, denn von nun an wurde er als Süg 801.3 bzw. WGSüg 801.3 geführt.
Bereits ein Jahr zuvor erhielt der Wagen erstmalig eine Lackierung im damals aktuellen IC- Schema rot/beige, anfangs kombiniert mit einer grauen Schürze (später rot). Zur besseren Unterscheidung des ehemaligen 10 208 vom Kölner 10 207 wählte man eine leicht andere Zierlinienführung. Während die beige Zierlinie zwischen Wagenkasten und Untergestell beim ehemaligen 10 207 vor den Einstiegstüren endete, wurde sie bei 10 208 bis zum Wagenende hin verlängert.
Mit der Heraufsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf 200 km/h erhielt der ehemalige 10 208 schließlich wieder eine neue Nummer, die sich dann bis zur Ausmusterung nicht mehr verändern sollte: 51 80 89-90 308-3. Spätestens zu diesem Zeitpunkt büßte der Wagen zudem seine Dachantenne ein und erhielt stattdessen Funkantennen. Eine letzte Änderung bei der Gattung ergab sich im Jahr 1986 als der Inter City Experimental (ICE) seine Schatten vorauswarf. Um die Wagen des Versuchszuges in die Gattungsnummern 80x einordnen zu können, schob man die entsprechenden Ordnungszahlen der Salonwagen um den Betrag von 50 weiter nach hinten und so wurde aus dem WGSüg 801.3, 51 80 89-90 308-3 der WGSüg 851.3, 51 80 89-90 308-3.
Nach dem Zusammenschluß der Deutschen Bundesbahn mit der Deutschen Reichsbahn zur Deutschen Bahn AG verpaßte man dem Wagen 1994 dann auch noch den neuen DB-Keks. Ein Jahr später erhielt er gar noch eine Neulackierung in den zu diesem Zeitpunkt gültigen IC-Produktfarben (siehe Foto ganz oben). Ein langes Einsatzleben war ihm damit freilich nicht mehr beschieden, denn nachdem der Bahn-Vorstand den Wagen letztmalig im Jahr 1997 genutzt hatte und auch die Bestellungen durch Privatpersonen keine Unterhaltung mehr rechtfertigten, schied der Wagen im August 1998 aus dem Bestand der Deutschen Bahn AG aus.

Exponat in der Außenstelle Koblenz-Lützel des Verkehrsmuseums Nürnberg
Nach seiner Ausmusterung wurde der Wagen (nicht zuletzt durch die Bemühungen der BSW-Freizeitgruppe Koblenz-Lützel) als historisch wertvoll eingestuft und dem Verkehrsmuseum Nürnberg übergeben. Er wurde daraufhin von Frankfurt nach Koblenz überführt und der Obhut der dortigen BSW-Gruppe übergeben. Seit dieser Zeit kann er in Koblenz-Lützel an den Besuchstagen zusammen mit einigen anderen ehemaligen Salonwagen (10 207, 10 241 und 10 281) sowie anderen historisch interessanten Eisenbahnfahrzeugen besichtigt werden.
Anfang des Jahres 2000 erhielt der ehemalige 10 208 für eine Filmrolle einen der Ursprungslackierung angenäherten Anstrich, da jedoch äußerlich keine anderen Rückbaumaßnahmen stattgefunden haben, präsentiert er sich seitdem in einem recht merkwürdigen Mischmasch aus Vor- und Nachkriegszustand.

Weiterführende Links
 Übersichtsskizzen
 Verwendung und Einsatz vor 1945
 Einsätze bei den Alliierten Streitkräften
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Technische Daten
Herstellerwerk Linke Hofmann Werke, Breslau
Baujahr 1938
Salonwagen bei DB seit 1951
Ausmusterung 08.1998 (nach anderer Quelle: 31.12.2001)
Bezeichnungen vor Umbau 1958 Salon 4ü-38/48, 10 208 Han/Mü/Ffm
nach Umbau 1958 Salon 4üe-38/48/58, 10 208 Ffm
nach Umbau 1962 Salon 4üge-38/48/58/62, 10 208 Ffm
nach Umzeichnung 30.03.1966 Salon 4üge-38/48/58/62, 10 308 Ffm
nach Umzeichnung 30.09.1966 Salonüge 801.3, 51 80 89-40 308-4
nach Montage Minden-Deutz-Drehg. Salonüge 801.3, 51 80 89-80 308-5
nach Umzeichnung 1976 Süg 801.3 (WGSüg 801.3), 51 80 89-80 308-5
nach Heraufsetzung Vmax Süg 801.3 (WGSüg 801.3), 51 80 89-90 308-3
nach Umzeichnung 05.1986 WGSüg 851.3 (Süg 851.3), 51 80 89-90 308-3
Abteile (ab 1958) Vorsalon 1x
Salon 1x
Abteile einbettig 2x
Mittelaborte mit gemeins. Badewanne 2x
Abteile zweibettig 2x
Küche/Wagenbegleiterraum 1x
Ofenraum 1x
Endabort 1x
Einstiegsraum 1x