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Quellenangaben Ι Stand: 29.05.2008
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Salonwagen 10 205

Neubeginn bei der DB
Am 02.07.1949 - die Bundesrepublik Deutschland existierte einen reichlichen Monat - kehrte der 10 205 als einer der ersten Salonwagen in die Obhut der Deutschen Reichsbahn im vereinigten Wirtschaftsgebiet (aus der am 07.09.1949 die Deutsche Bundesbahn hervorgehen sollte) zurück. Nach einer Überholung im EAW Frankfurt/ Main stellte man den Wagen ab Oktober 1949 der Bundesregierung zur Verfügung. Heimatbahnhof war seinerzeit Frankfurt-Süd, so daß er zunächst die Nummer 10 205 Ffm trug.
Diese Stationierung erwies sich aufgrund der Entfernung zwischen Frankfurt/Main und Bonn jedoch alsbald als hinderlich und so wurde im Januar 1953 das wesentlich günstiger gelegene Köln als neue Heimat für den 10 205 auserkoren - Unterhaltungswerk blieb das AW Frankfurt/M (wie bei allen Wagen der Bundesregierung). In jener Zeit wurde der 10 205 dann auch fest dem Bundeskanzler zugeordnet.
Seine Funktion als "Kanzlerwagen" bescherte dem Wagen in den folgenden Jahren eine recht rege Nutzung, sei es auf Staatsfahrten, Wahlkampfreisen oder auf Urlaubstoren. In einem Wahlkampfsonderzug lief der 10 205 dabei erstmals im Zeitraum 1. bis 3. August 1953 - zusammen mit einem zweiten Salonwagen, einem Autotransportwagen sowie einem Schlafwagen erster Klasse. Weitere Fahrten führten den Wagen noch im selben Jahr zur Außenministerkonferenz in Rom und zu Gesprächen über die Europäische Verteidigungsgemeinschaft nach Strasbourg (Straßburg).
Im März 1954 rückte der 10 205 erneut für eine Überholung ins AW Frankfurt/M ein. Neben der Auffrischung der Inneneinrichtung wurden allerdings nur kleinere Änderungen durchgeführt, einige davon betrafen vermutlich auch das zur Küche umgerüstete Begleiterabteil. Eventuell entfernte man bei gleicher Gelegenheit auch das Ende 1937 in den zweiten Schlafraum eingebaute Waschbecken wieder, der genaue Zeitpunkt für diesen Umbau ist allerdings nicht bekannt. Etwa ein Jahr nach dieser Überholung trat der Wagen seine wohl bekannteste Fahrt an: im September 1955 reiste eine bundesdeutsche Delegation unter Konrad Adenauer für Verhandlungen nach Moskau. Während sich der Kanzler per Flugzeug auf die Reise in die Sowjetunion begab, fuhr ein Teil des Begleitertrosses mit dem aus 14 Wagen bestehen Sonderzug nach Moskau. Im Zuge dieser Fahrt setzte man in Brest-Litowsk Drehgestelle mit 1524 mm Spurweite unter. Am Ziel angekommen diente der im Leningrader Bahnhof abgestellte Sonderzug als Botschafts-Ersatz, abhörsicherer Besprechungsort und Übernachtungsquartier. Der 10 205 stand dabei wie gewöhnlich dem Kanzler zur Verfügung.
Derartig spektakuläre Fahrten blieben dem Wagen nachfolgend verwehrt. Weder beim Deutschland-Besuch der britischen Königin Elisabeth II. im Mai 1965 (bereits unter der Ägide von Ludwig Erhard), noch beim DDR-Besuch Willy Brandts im März 1970 kam der 10 205 in den extra hierfür zusammengestellten Sonderzügen zum Einsatz.
Die weitere Nutzung des Wagens im Zeitraum bis 1974 war stark geprägt von den Vorlieben der jeweiligen Kanzler. Während Ludwig Erhard recht häufig auf Schienen unterwegs war, bevorzugte Kurt Georg Kiesinger vor allem gegen Ende seiner Kanzlerschaft meist den Hubschrauber oder das Flugzeug und so kam der 10 205 erst unter Willy Brandt wieder öfter ins Rollen. Der September 1974 bedeutete für den Wagen schließlich eine deutliche Zäsur. Mit dem von Wegmann gelieferten Salonwagen Sümz 803, 73 80 89-90 001-8 stand ab da ein neuer Kanzlerwagen zur Verfügung, so daß der 10 205 nunmehr der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbahn zugeteilt wurde und daraufhin nur noch vereinzelt für die Bundesregierung zum Einsatz kam. Vielmehr hatte jetzt jeder Zahlungswillige die Möglichkeit, den 10 205 für eigene Fahrten zu mieten, so war der Wagen ab da häufiger auf Fahrten für Wirtschaftsvertreter, Privatpersonen oder auch Musiker anzutreffen.

Umbauten ab 1962 und Umzeichnungen
Nicht unerwähnt soll bleiben, daß lange vor der Degradierung zum gewöhnlichen Salonwagen diverse Umbauten das Erscheinungsbild des Wagens gewandelt hatten. Die erste größere Veränderung brachte das Jahr 1962 mit sich, im AW Frankfurt/M wurden analog zu den anderen Salonwagen die Wagenenden verschlossen und mit Gummiwülsten sowie Standard-Zugschlußleuchten versehen.
Es folgten einige kleinere Modifikationen wie etwa die Beistellung zweier neuer Tische im Jahr 1963 oder Änderungen an der Lüftungs- und Kühlanlage vier Jahre später. Auch wechselte zwischenzeitlich die Bezeichnung des Wagens, so wurde seine Nummer Ende März 1966 auf 10 305 Köl geändert, bevor ein halbes Jahr später die UIC- Kennzeichnung zum tragen kam und er von da ab als Salonüge 801.1, 51 80 89-40 305-0 geführt wurde (am Wagen selbst war als Gattung "Salüge 801" angegeben).
Nachdem der Wagenlauf immer wieder Anlaß zur Beanstandung gab, setzte man den Wagen im März 1972 auf Drehgestelle der Bauart Minden-Deutz 34 mit Magnetschienenbremse, was zudem eine Heraufsetzung der Höchstgeschwindigkeit auf 160 km/h ermöglichte. Die Wagennummer änderte sich dementsprechend ein weiteres - und letztes - mal: 51 80 89-80 305-1. Die Gattungsbezeichnung sollte dagegen noch zwei Modifikationen erfahren. Bei der ersten in der Mitte der siebziger Jahre ersetzte man zunächst die alte Gattung durch WGSüge 801.1 (am Wagen selbst war anfänglich nur Süge 801.1 angeschrieben), bevor im Mai 1986 die Gattungsnummer um 50 erhöht wurde. Die daraus resultierende Bezeichnung WGSüge 851.1 behielt der Wagen anschließend bis zu seiner Ausmusterung.
Während Wagennummer, Gattung und Ausstattungsdetails im Lauf der Jahre immer wieder mehr oder weniger starken Veränderungen unterworfen waren, blieb der Außenanstrich des Wagens weitgehend konstant. So behielt der 10 205 Zeit seines DB-Lebens einen grün lackierten Wagenkasten (anfänglich Flaschengrün RAL 6007, später vermutlich Chromoxidgrün RAL 6020) mit schwarzen Zierlinien und schwarzem Untergestell (RAL 9005). Für den Dachanstrich kam zunächst Silbergrau (RAL 9006) zur Anwendung, ehe man Ende der sechziger oder Anfang der siebziger Jahre zu einem recht dunklen Grau überging (eventuell Umbragrau RAL 7022). Den DB-Keks dürfte der Wagen noch in den fünfziger Jahren erhalten haben.

Exponat im Haus der Geschichte in Bonn
Bereits Anfang der achtziger Jahre wurden von den Verantwortlichen bei der Deutsche Bundesbahn erste Überlegungen angestellt, wie mit dem geschichtsträchtigen Wagen weiterverfahren werden soll. Sowohl eine museale Erhaltung als auch ein (glücklicherweise nicht zustande gekommener) Verkauf ins Ausland standen zur Diskussion. Die Bemühungen um eine der historischen Bedeutung des Fahrzeugs angemessenen Lösung verstärkten sich ab 1986 und führten letztendlich zur Übergabe des "10 205" als Dauerleihgabe an das in Entstehung befindliche Haus der Geschichte in Bonn. Und so wurde der Wagen unter großem Medienecho am 5. Oktober 1990 - fünf Tage nach seiner Ausmusterung - in den Rohbau des Museums eingelassen. Seit der Eröffnung am 14. Juni 1994 kann der Wagen gegenüber der U-Bahn-Station des Hauses der Geschichte besichtigt werden. Eine Begehung des Fahrzeugs ist allerdings nicht möglich.

Weiterführende Links
 Übersichtsskizzen
 Verwendung und Einsatz vor 1945
 Einsätze bei den Alliierten Streitkräften
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 Quellenangaben
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Technische Daten
Herstellerwerk Wegmann & Co., Kassel
Baujahr 1937
Salonwagen bei DR-West bzw. DB seit 02.07.1949
Ausmusterung 31.08.1990
Bezeichnungen bei Übernahme Salon 4üe-37/46, 10 205 Ffm
nach Umbau 1954 Salon 4üe-37/46/54, 10 205 Köl
nach Umbau 1962 Salon 4üge-37/62, 10 205 Köl
nach Umzeichnung 30.03.1966 Salon 4üge-37/62, 10 305 Köl
nach Umzeichnung 30.09.1966 Salonüge 801.1, 51 80 89-40 305-0
nach Drehgestelltausch im März 1972 Salonüge 801.1 (Salüge 801.1), 51 80 89-80 305-1
nach Umzeichnung 1974/76 Süge 801.1 (WGSüge 801.1), 51 80 89-80 305-1
nach Umzeichnung 05.1986 WGSüge 851.1 (Süge 851.1), 51 80 89-80 305-1
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